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B'nai B'rith · 1926-03-01 · 3 (3.1926) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
3 (3.1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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62 können. Synagogen und nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft nach Palästina behalten sie diese Institution bei. Esra, der Schriftgelehrte, der die öffentliche Thoravorlesung vor der Gemeinde einführt, gibt diesen Synagogen Daseinsberechtigung, dort wird die Grundlage für den späteren jüdischen Gottesdienst gelegt. So bestanden also neben dem zweiten von Herodes erbauten Tempel in Jerusalem überall im Lande schon Synagogen. Der Talmud spricht von der alten Synagoge in Lydia: in Liberias gab es nach dem Talmud Berachoth 13 Synagogen, ferner werden Synagogen erwähnt in Cäsarea. in Nazareth (Math. 1. 21). in Kapernaum (Math. 12. 9). in Antiochia. Damaskus, Rom. Tesalonieh, Ephesos. Der Talmud berichtet sogar, daß in Jerusalem damals 480 solcher Synagogen waren, weil jedes Gewerbe seine eigene hatte. In Rom sind die fünf jüdischen Katakomben aus der Kaiserzeit hervorzuheben. Diese Begräbnisstätten geben uns aber in ihren Inschriften viel Aufschluß über das jüdische Leben in Rom. Wir erhalten von sechs Synagogen Nachricht und sehen noch auf den Steinplatten die Verzierungen für jüdische Sakralbauten jener Zeit: den siebenarmigen Leuchter, Ölkrug. Ethrog und Lulaib. Die Synagogen dieser Zeit, soweit wir noch Überreste davon kennen, waren Räume, in denen sowohl gottesdienstliche Handlungen, als auch die Erforschung des Gesetzes betrieben wurde, ja. man kann nicht sagen, daß der Gottesdienst damals die wichtigere Institution war, es war die Zeit, wo die Erforschung des Gesetzes, das Beschäftigen mit der Lehre viel höher geschätzt wurde, wo — wie es im Talmud steht — das Studium des Gesetzes besser als jeder andere Gottesdienst geachtet wird und deswegen man wohl aus einer Synagoge eine Schule, aber nicht umgekehrt aus einer Schule eine Synagoge machen durfte. Es geht durch die ganze Geschichte der Juden fast eine merkwürdige Scheu, Tempel zu errichten. Es ist nicht die Art der Juden, mit Gotteshäusern Gott näher zu treten, also nicht bildende Kunst ist es. die Gott dem Juden näher bringt, wie bei den antiken Völkern, sondern es ist eine andere Kunst, die Kunst des Wortes. Das Wort des Gebetes und des Bittens, des Danket? und der Verherrlichung hat — ehe noch bei den antiken Völkern die Werke der bildenden Kunst ihre Vollendung erreichten — bei den Juden schon Ewigkeitswerte geschaffen. Die Psalmen Davids, die Reden der Propheten und die Bücher der Thora. Kein Bauwerk der antiken Völker hat solche ewige Gültigkeitswerte geschaffen, die alle Jahrtausende hindurch von gleicher Wirkung auf die Völker geblieben sind und immer frisch und neu empfunden werden, wie etwa die Psalmen. Die Versenkung nach Innen, dieses Insichgehen des Juden, beim Gebet förmlich bei geschlossenen Augen in seinem Gott aufzugehen, das ein Stimulans von außen vollkommen entbehren kann, hat diese Kunst des Wortes zu einer Höhe entwickelt, die elementar wirkt. Wenn der Prophet sagt: „Der Himmel ist mein Thron, die Erde meiner Füße Schemel, wozu mir ein Haus", ist das eine Vorstellung von größter, elementarster Kunst, und solcher Beispiele gibt es unzählige und jeder möge sie suchen und sich daran erbauen. Wenn daher den Juden der Vorwurf gemacht wird, daß sie keine eigene bildende Kunst, keinen eigenen religiösen Stil geschaffen haben, wie die anderen Völker des Altertums, so ist diese

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