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B'nai B'rith · 1926-03-01 · 3 (3.1926) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
3 (3.1926)
Date
1926-03-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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59 füre h t e n, weder vor ökonomischem, noch vor gesellschaftlichem Schaden. Wer nur gut aus Schwäche ist. kann nicht im höchsten Sinne sittlich sein. Es mag sittliche Entscheidungen geben, die im Augenblick sogar grausam erscheinen. Den äußeren Linien nach läßt sich eine Handlung nicht beurteilen. Es kommt auf die Stärke des Liebesmotivs an, das sie bestimm . Alan hat oft in sentimentalen Zeiten Tie unendliche Menschenliebe der Propheten nicht mit ihrer Strenge und Unerbittlichkeit in Einklang bringen können. Man hatte kein Gefühl 'dafür, daß überall dort, wo es Wahl und Entscheidung gibt, entgegengesetzt gewählt oder entschieden werden könnte, daß es also Gegensätze gibt, Gegenspieler, Gegenkämpfer, daß der sittlich Tapfere erst an seiner Gegnerschaft seine Sendung erfüllt. Aber freilich: Hinter jeder Tapferkeit muß die Liebe spürbar sein, die sie rechtfertigt und beschwingt. Romain Rollands Sendung für Europa ist sein Heroismus. Im Rotapfelverlag (Zürich und Leipzig), (der sich um die Verbreitung der Rollan Ischen Werke besonders verdient gemacht hat, ist zum sechzigsten Geburtstage des Dichters ein prachtvoll ausgestatteter Band unter dem Titel: „Lifo er Amicorum" (Das Buch der Freunde) erschienen. Maxim Gorki, Georges Duhanel und Stefan Zweig haben hier Beiträge von etwa 120 der bedeutendsten Künstler. Gelehrten, Politiker aller Weltteile gesammelt. Deutlich wie sonst nur noch in einer plastischen Symphonie fühlt man aus diesem bunten, vielsprachigen Werke, daß der menschliche Eindruck Romain Rollands auf seine größten Zeitgenossen in der Forderung nach sittlicher Tapferkeit liegt, in dem Kampfe gegen den Irrglauben, das Gute werde sich schon von selbst durchsetzen. Masaryk hat das "Tragische und auch das falsch Deutbare des Rollandschen Heroismus in seiner ganzen Tiefe erfaßt. ..Ich habe" — so heißt es in seinem deutsch geschriebenen Beitrag ■— „Romain Rolland als Autor schon vor dein Kriege gekannt; sein Europäismus war mir sympathisch und sein Weckruf zum Heroismus an die Intellektuellen Europas hat mir gefallen. Als der Krieg ausbrach und ich mich gerade in Genf, dem Aufenthaltsorte Rollands, endgültig entschieden hatte, an ihm teilzunehmen, habe ich mich mit Rollands und Tolstojs Ideen gegen den Krieg nochmals auseinandergesetzt. Die kämpfenden Völker alle — so schien es mir — haben dem Rufe Rollands nach Heroismus gefolgt; Heroismus stand gegen Heroismus, Verstand gegen Verstand, Herz gegen Herz, — darin ist ja das Tragische des Weltkrieges." Gerade im Hinblick auf den unsittlichen Weltkrieg sind vielleicht die folgenden Sätze aus dem Beitrag A r t u r S c h n i t z 1 e r s hier angebracht, der davor warnt, sittliche Tapferkeit um jeden Preis von einem falschen Allmenschenideal verdrängen zu lassen: „Aus Menschenveraohtung in die Einsamkeit flüchten oder sich völlig auf und in sich selbst zurückziehen, ist selten ein Zeichen von Kraft oder Größe, weit öfter von Trägheit oder Hochmut. Menschenliebe predigen — keineswegs immer ein Beweis von Güte oder Weisheit, sondern öfter von Rührseligkeit, wenn nicht gar Geistesschwäche. Würdiger des Einzelnen, als zu verachten, nützlicher für die Gesamtheit, als sie zu

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