B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 2 (2.1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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47 bemerkenswertesten Erscheinung Europas" die Ehrengabe von 25.000 Dollar. Nun kauften sich die kleinen Millionäre ein eigenes Haus mit einem schönen Garten. Tagsüber wird fleißig gearbeitet, am Abend vereinigt sie der Gesang. Auch die Kinder, die sich ihnen angeschlossen hatten und nicht im Hause wohnen, bleiben ihrer Gemeinde treu und an jedem Samstag fahren sie aufs Land, um Konzerte zu geben. Im Jahre 1922 unternahmen sie ihre großen Konzertreisen durch Deutschland und Amerika. Der Erfolg war beispiellos. In ihrem Kosirer Heim in der Mozartova. habe ich sie besucht. Es ist ein einfaches, zweistöckiges Haus mit kleinen, bescheidenen Zimmern, in denen sie ihre Werkstätten, ihre Modisterei, ihr Musikzimmer und ihr kleines Museum eingerichtet haben. Unter Anleitung der älteren arbeiten die Kleinen. Die Modisterei, zu der die Burschen die Einrichtung selbst verfertigt haben, ist zur Beschäftigung der Mädchen eingerichtet, die den Hauptstock des Chores bilden. Als verwahrloste Mädchen kamen sie von der Gasse her und nun können sie sich in Benehmen und Anstand mit Damen messen. Der mit den verkümmerten Beinen sitzt in seiner Tischlerwerkstatt, die er selbst eingerichtet hat: er hobelt und zimmert die geschicktesten Gegenstände zurecht; die Beine tragen ihn auch heute noch nicht, das hindert ihn aber nicht, wie ein Eichkätzchen die Regale hinaufzuklettern. In der Nachbarwerkstatt sitzt Silva, der bucklige Künstler, der gerade ein wunderbar geschnitztes Kästchen für ihren ersten Gönner, den Präsidenten Masaryk, beendet. Der armlose Franz ist Direktor der Kindererwerbsgenossenschaft und der mit den flossenartigen Händen ist einer der gesuchtesten Lithographen Prags. Eine freie und gesunde Atmosphäre ist unter ihnen. Ihre körperlichen Defekte erzeugen kein Minderwertigkeitsgefühl in ihnen, sie stören sie weniger als einen normalen Menschen ein Schönheitsfehler. Allein die Geschichte der Bakule- Gemeinde könnte nicht von dieser Welt sein, wenn es unserer Gemeinde beschieden wäre, sorgenfrei zu leben. Aus Amerika kamen sie mit leerem Ranzel zurück. Sie waren hingefahren, um für das große Geschenk zu danken. Aber die Werkstätten wollen erweitert sein und ein großes Stück Geld braucht es noch, damit der große Plan erfüllt werden soll, und es gibt noch so viele verwahrloste Proletarierkinder in Prag! Ich will nicht für Bakule hier agitieren. Aber ich will doch erwähnen, daß es einen Verein „Sdruzeni pfätel" gibt, dessen Mitgliedsbeiträge dem Institute zufließen. Im letzten Grunde sind Bakules und unsere Wege die gleichen. Mit seinem unermüdlichen Eifer, seinem unbeugsamen Willen und seiner selbstlosen Liebe mag er uns ein Vorbild sein! „Wir wollen mit unserer Menschenliebe" — sagt er — „in die weite Welt hinaus, um zu verkünden: Wir sind alle Brüder und Schwestern. Tragen wir durch edle, sittliche Erziehung des Geistes und des Herzens dazu bei, gute Brüder und Schwestern zu werden. Tragen wir durch edle, sittliche Erziehung des Geistes und des Herzens dazu bei. bessere Menschen zu werden." Richtigstellung. Im Adreßbuch. S. 99, ist zu lesen: Alfred Pächter. Fabrikant, Bodenbach.