B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 2 (2.1926)
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Ich zweifle nicht daran, daß unser Orden, der es sich zur Aufgabe macht, die Not der Leidenden zu lindern, für das Wohl der Menschheit zu arbeiten, alle kulturellen Bestrebungen zu fördern und zu unterstüteen, meine Anregtuig freundlich aufnehmen wird. Univ.-Prof. Dr. Oskar E n g 1 ä n d e r : Das Prinzip des Sittlichen im Wirtschaftsleben. i. Gegen die Auffassung, daß sittliche Motive in der Volkswirtschaft eine Rolle spielen, hört man immer wieder den Einwand, daß im Wirtschaftsleben ausschließlich das Se 1 b s t i n t e r e s s e herrsche. Auf den ersten Blick scheint es in der Tat, daß die sittlichen Motive zum Motive des wirtschaftlichen Selbstinteresses in vollstem Gegensatze stehen. Denn 'die Ethik lehrt, daß Werte von uns nicht nur soweit anzustreben sind, als sie die eigene Person betreffen, daß vielmehr, wie Brentano sagt, ..das gleiche Gute, wo immer es sei, also auch an anderen, nach seinem Wert, also überall gleich zu lieben sei". Die wirtschaftlichen Erscheinungen sprechen aber dafür, daß jede Wirtschaft gegenüber der anderen nur ihren eigenen Vorteil durchzusetzen bestrebt ist. Allein es besteht kein unlösbarer Widerspruch zwischen der Wahrung des wirtschaftlichen Selbstinteresses und den ethischen Gnmdforderungen. Man muß nur diese beiden Grundsätze richtig auffassen. Zunächst: Die Wahrung des eigenen Interesses, und zwar auch gegenüber dem fremden Interesse, ist nichts Unethisches, nichts sittlich Verwerfliches. Die Ethik verbietet in keiner Weise grundsätzlich, das eigene Interesse zu wahren, sie gebietet es vielmehr, wobei fredlich die Befolgung dieses Gebotes durch natürliche Triebe unterstützt wird. Die Wahrung des eigenen Interesses ist direkt ein ethisches Prinzip. Die Ethik verlangt nur neben der Wahrung des eigenen Interesses auch die Berücksichtigung des Interesses anderer und betont diesen letzteren Grundsatz nur deshalb mit besonderem Nachdruck, weil die Berücksichtigung des eigenen Interesses in der Regel nicht besonders aufgetragen zu werden braucht. Dabei wird aber von der Ethik nicht einmal die gleiche Berücksichtigung des fremden Interesses wie des eigenen verlangt, vielmehr räumt die Ethik der Wahrung des eigenen Interesses v o r der des fremden jenen Vorrang ein, der dem eigenen Interesse eingeräumt werden muß, wenn es zur größtmöglichen. Summierung von Werten kommen soll. Dies hat in klassischer Weise, wieder Franz Brentano ausgesprochen: „Man muß sich wohl davor hüten, aus dem Prinzip der Liebe des Nächsten wie sich selbst die Folgerung zu ziehen, daß jeder für jeden anderen ebenso sorgen müsse wir für sich selbst, was, weit entfernt das allgemeine Beste zu fördern, es vielmehr wesentlich benachteiligen würde. Es ergibt sich' dies aus der Erwägung des Umstandes. daß man zu sich selbst eine andere Stellung als zu allen anderen hat und unter diesen wieder -dem einen mehr, dem anderen weniger zu helfen und zu schaden in der Lage ist."