Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1926-01-01 · 1 (1.1926) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
1 (1.1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9598440-9598450--0959-9598469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

19 beide warmherzige Juden, ersterer trotz seiner hohen Jahre, ein tätiger Arbeiter in der jüdischen Gemeinde und warmer Förderer des Palästinaaufbaues. Nathan, der ehemalige Bürgermeister Roms, war selbst bei der klerikalen Partei beliebt. Samueli Bellini. einer der mächtigsten Vertreter der Fascisten. ist Jude, ebenso seine Freunde Olivetti, 0 r i o s und de Verona. Aber auch unter den Führern der sozialistischen Partei sind drei sehr bekannte Juden: Musati. T r e - v e s und M a d i g 1 o n i. Antisemitismus ist in Italien fast unbekannt. Derartige Versuche von Zeitungen, wie der „Vita italiana" und der „Rivista di Milano", finden keinen Zuspruch. In einigen Städten Italiens, besonders in Florenz, ist geradezu eine jüdische Renaissance zu spüren. In einem der letzten Hefte des „Jewish Forum" schreibt Dr. Cecil Roth diesen Aufschwung vor allem dem Rabbinerseminar in Florenz zu. Das Seminar, das gegenwärtig von Rabbi Umberto Cassuto geleitet wird, ist bekanntlich eine Gründung des großen Dichters und Philosophen Samuel David L u - z a 11 o. Es w ar ursprünglich in Padua, wurde dann nach Rom gebracht und schließlich nach Florenz, der geistigen Hauptstadt des Landes. Cassutos Vorgänger war S. H. M a r g u 1 i e s. ein Schüler des Breslauer Seminars, der der Anstalt das geistige Gepräge gab. Nach einem statistischen Berichte von Luciano Silco zählt die Kammer der Abgeordneten 35 jüdische Mitglieder, der Senat 24. Im diplomatischen und Konsulardienst stehen 40 Juden, viele davon sind Gesandte und Generalkonsul. An den italienischen Universitäten gibt es nicht weniger als 840 jüdische Professoren und ein großer Teil von Juden haben hohe Posten in der Marine, im zivilen und im juristischen Dienst inne. Höhlenbewohner. In der ausgezeichnet geleiteten Zweimonatschrift ,.Der M o r - g e n" *), dessen Herausgeber Br. „) Wir machen auf d'pse Zeitschrift des Philov Hnge (Berlin SW. tw. Li'>densti\ 1*0, di im Gt'ist» des positiven Iber« en Julent'imgH>a t 'Ti i*t, besonders anf>eiksam. S e ist vo'nehm an«ge«tnt pt. zä'-it tr> ftliohe jü 'i-j"! e und nich jüdische öpfe zu Mitaibeitein; sie kostet jährl.eh SO Kc. i'rof. Dr. Julius G o 1 d s t e i n- Darmstadt ist, berichtet E. Brandenburg, ein bekannter Afrikaforscher, über seine Entdeckung von jüdischen Höhlenbewohnern in Tripoli. Durch List war es ihm gelungen, unter dem Schutze von Gendarmen nach Kassr-Garian zu kommen. Der Ort besteht aus einigen hundert Gehöften mit mehr als 4000 Einwohnern. „Zuerst erblickt man", erzählt Brandenburg, „nur die kleine, weißgetünchte Grabkapelle eines Marabut, dann das Schloß, eine mittelalterlich arabische Zitadelle, die Schule und noch 2—3 andere kleine Baulichkeiten, dazwischen Gärten mit Kirschbäumen und Oliven, bis man dann plötzlich in ein 5—6-Meter tiefes Loch sieht, auf dessen Grund es von Menschen und Vieh wimmelt: das erste „Haus" von Garian. Es befinden sich im Garian mehrere ausschließlich von Juden bewohnte Ortschaften. Garian ist ein leichtgewelltes Hochplateau von ockerfarbenem Lehm, der zäh und für Wasser undurchlässig ist. Aus diesem Lehm werden große Löcher, ca, 10—12 Meter im Geviert und ca. 5—7 m tief, ausgeschachtet, die den unbedeckt bleibenden Hof bilden. In die Wände des Hofes sind dann einzelne Wohnräume eingearbeitet, meist 2—4 auf jeder Seite. Sie sind ca. 4—5 m lang, 3 m breit und ca. 3 m hoch. Das für den Haushalt nötige Wasser wird in Zisternen aufgefangen. Diese Art zu „bauen -, ist dort die einzig zweckmäßige. Obgleich die Türen nicht groß sind, so genügt das intensive Licht des Orients doch vollständig, um die Räume zu erhellen. Des Abends hilft man sich mit selbstgemachten Lichtern. Auf dem Fußboden liegen Matten, aus Haifagras geflochten. Die Wände und Decken sind weiß getüncht, oft mit einfachen ornamentalen Mustern verziert. Bei den Mohammedanern kommt häufig Stern und Holbmond vor, bei den Juden der Stern. Im allgemeinen machen die Räume einen säubern und trotz ihrer Einfachheit behaglichen Eindruck. Von gewissen, sehr angesehenen jüdischen Kaufleuten in Tripoli, die selbst aus dem Garian stammen, wurde bestätigt, daß diese Kolonien seit fast 300 Jahren bestehen. Wenn auch das altjüdische männliche Schönheitsideal brünett war (vgl.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.