B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9582244-9582244-9598440-9598450--0954-9598464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 jener zur Aufnahme in unseren Bund geeignet ist. so muß unsere Untersuchung in erster Linie dahin gerichtet sein, festzustellen, wie der Betreffende mit dem Leben zurechtkommt. Dieses Zurechtkommen mit dem Leben involviert ja bereits eine bestehende Harmonie, die Fähigkeit des gleichzeitigen Zusammenklingens mit allen Faktoren des Lebens. So können wir. um Beispiele zu nennen, es uns vorstellen, daß eine absolute Künstlernatur etwas außerordentlich Wertvolles für die Menschheit darstellt, daß sie aber für den Orden nicht in Betracht kommen könnte, weil es an allen Ecken und Enden zu Zusammenstößen mit der Wirklichkeit käme. Wir können uns vorstellen, daß die reine Kaufmannsnatur, der reine Zahlenmensch, die absolute Beamtennatur, der fanatische Orthodoxe, so wertvoll sie an sich sind, nicht der Harmonie entsprechen, die wir von ihnen fordern müssen. Die zweite Frage wäre: Wie steht der Betreffende zum Judentum? Es mag Menschen geben, die alle Vorzüge in sich schließen, die aber keinerlei Beziehungen mehr zum Judentum haben und, was noch schlimmer ist. keinerlei innerliche Neigung mehr dazu besitzen. Es gibt Menschen, denen ihr Judentum ganz einfach nichts mehr ist, eine Sache, an die sie nie eine Sekunde des Nachdenkens, ein noch so kleines Gefühlchen mehr bindet, die aus irgend einem Grunde ihr Judentum noch nicht abgelegt haben, es aber jeden Moment abzulegen bereit sind, wenn sie nur die kleinste Hemmung dadurch erfahren würden. Es gibt unter diesen Menschen jüdische Antisemiten übelster Art. Diese kommen nicht für unseren Orden in Betracht, selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, daß sie geneigt wären, in ihn einzutreten. Die Frage der Unbescholtenheit und Eigenberechtigung ist ja in unseren Statuten vorgesehen und ohneweiters beantwortbar. Da wir in einem bürgerlichen Milieu leben, die Gesetze des bürgerlichen Zusammenlebens beachten, haben wir kein Hecht, uns über sie hinwegzusetzen, welchen Standpunkt immer wir innerlich auch zu der sogenannten bürgerlichen Moral einnehmen mögen. Außerordentlich wichtig ist die Frage nach dem Privatleben des Kandidaten. Hier wird oft weit übers Ziel geschossen. Wir müssen jedem Menschen das Recht einräumen, einen kleinen Bezirk seines privaten Lebens für sich zu haben, und es gibt wohl im Hause jedes Menschen ein größeres oder kleineres Skelett. Hier müssen wir individuell prüfen und dürfen nicht glauben, daß so ein Skelett deshalb schon mehr Bedeutung hat. weil man zufällig dahinter gekommen ist. Sehr wichtig ist ferner die Frage: Wie steht der Betreffende dem Orden gegenüber? Zur Klärung dieser Frage wird die Ansprache, die Henri Jones an die neu aufzunehmenden Mitglieder hielt, von bleibendem Werte sein und es ist unbedingt notwendig, daß diese Ansprache allen Kandidaten zur Kenntnis gebracht wird, bevor sie die Anmeldung unterschreiben. Wir werden dies in unserer Loge durchführen und raten allen anderen Logen, dasselbe zu tun.*) Nun noch die Frage: Sollen wir werben? Oder sollen wir nur Menschen nehmen, die spontan zu uns wollen? Unsere Arbeit ist geheim, daher macht der Orden keine andere Reklame als die seiner Taten und der Taten seiner Mitglieder. Wir sollen aber grundsätzlich an Menschen, die wir für wertvoll halten, *) En Abdruck dieser Ansprache ist bei der Loge „Karlsbad" gratis erhältlich.