B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 materiellen, durch Erziehuno; zum Glauben der Brüder, dem Orden organisch einverleibt werden soll. Wer dieses anstrebt, müßte dahin wirken, daß möglichst junge Kandidaten eingeführt werden. Wer fertig zu uns kommt, an dem kann diese seelische Erziehungsarbeit nicht mehr geleistet werden. Man kann auch der Auffassung sein, daß der 0 r d en der Pia t z der intellektuellen E r z i e - Ii u n g s - und Fortbildungsarbeit sei. Viel in unserer Arbeit und in unserem Programm deutet darauf hin. Nun kann es sich ja natürlich nicht um einen systematischen Unterricht handeln, sondern es sollen vor allem in unseren Vorträgen Gedankenketten eröffnet. Anregungen gegeben werden, es sollen die Vorträge dazu dienen, dem Vortragenden nach dem alten lateinischen Spruche: ..Docendo discimus", „durch Lehren lernen wir", Gelegenheit zu geben, sich eine Materie zu eigen zu machen. Was den Zuhörern dabei gegeben werden soll, ist nicht nur das Meritorische des Vortrages, sondern vor allem das Beispiel der geistigen Arbeit, die Freude am Erfolge des Bruders, die Befriedigung, das Niveau der Loge gehoben zu sehen, kurz ein gewisser Lokalpatriotismus. Sollte das Ziel des Ordens also die intellektuelle Fortbildung sein, so müßten die Kandidaten vor allem den intellektuellen und gebildeten Kreisen entnommen werden, man müßte darauf achten, daß immer ein gewisses geistiges Niveau gewahrt bleibt, weil nichts undankbarer ist, als in Brüdern, die geistig nicht mitkommen können, das Gefühl zu erwecken, daß sie im Orden als in einem Debattier- und Vortragsklub nicht am Platze wären. Der Respekt vor geistigen Leistungen dürfte nicht mit dem Gefühle der eigenen Minderwertigkeit in geistiger Beziehung verbunden sein. Der Orden als soziale und W o h11 ä t i g k e i t s - Institution betrachtet, müßte sein Hauptaugenmerk auf materielle Leistungen richten. Bei der großen Zahl der notleidenden Institutionen des Judentums ist dieser Gedanke sehr populär. Dort, wo die materiellen Leistungen des Ordens und der einzelnen Brüder programmatisch an erste Stelle gestellt werden, muß man sich um Kandidaten bewerben, die finanziell in der Lage sind, diesen Verpflichtungen nachzukommen. Freigebigkeit, gute ökonomische Stellung, ja Reichtum und — was für die soziale Betätigung unerläßlich notwendig ist — eine gute soziale und einflußreiche Stellung in der Gesellschaft sind unerläßlich. Dazu müßte natürlich noch der Wille kommen, zu geben und Wohltaten zu erweisen, es müßte auch berücksichtigt werden, daß das Ordensmitglied über die nötige freie Zeit verfügt. Es gibt Brüder, die dem Orden als gesellschaftlichem Faktor im Leben der Gemeinde und des Judentums eine besondere Stellung eingeräumt wissen wollen. Der Ausspruch Br. Klemperers in Wien: „Wir sind eine vornehme Gesellschaft", hat zu den fürchterlichsten Mißverständnissen Anlaß gegeben, und ich bin überzeugt davon, daß er nur deshalb populär geworden ist, weil er mißverstandenerweise auf das gesellschaftliche Leben bezogen wurde. Tatsächlich mag es Logen geben, die sich dieses schreckliche Wort in seinem falschen Sinne aufs Panier geschrieben haben. Sollten gesellschaftliche Momente in diesem Sinne mitwirken, so müßte man natürlich nur „vornehme", ausgezeichnete, sozial hervorragende Leute nehmen, müßte vor allem auf die gute Kinderstube