B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 1 (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Aus Logenvorträgen. Dr. Walter Kohner (»Karlsbad«): Grundsätze für die Aufnahmst Würdigkeit neuer Kandidaten. Wo man vom Persönlichen auszuserer Festschrift gegen diese Ansicht gehen hat, wird man das Grundsätzliche immer wieder der Wirklichkeit anpassen. Darum wird das Thema eigentlich mit jedem Kandidaten in anderer Weise aktuell. Allein nichts ist verlockender, als von den vielen Besonderheiten zu einfachen Linien vorzudringen, die sich immer wieder aufzeigen lassen. Denn es ist eigentlich eine Prüfung unser selbst, wenn wir neue Kandidaten auf ihre Aufnahmswürdigkeit hin prüfen. ("Iber eine solche Prüfung hat Br. Kohner Rechenschaft gegeben. „Alle Fragen nach der Qualität der aufzunehmenden Mitglieder laufen letzten Endes darauf hinaus, ob es angezeigt ist, viel oder wenig Mitglieder zu haben, große oder kleine Logen zu errichten, extensiv oder intensiv zu arbeiten. Es ist naturgemäß für eine große Loge unmöglich, eine sehr genaue Auslese zu treffen, ebenso wie es für eine kleine Loge unumgänglich notwendig ist, möglichst genau zu sieben. Versuchen wir nun, uns über den eigentlichen Charakter unserer Logen, bezw. des Ordens klar zu werden, lassen wir die einzelnen Ansichten über den Orden vor unserem geistigen Auge Revue passieren, so werden wir unschwer finden können, daß ebenso wie in bezug auf die Quantität der Mitglieder auch ihre Qualitäten durch die entsprechende Anschaungsart des Ordens determiniert ist. Eine recht allgemein verbreitete Ansicht über den Orden ist diejenige, die im Orden eine ethische Gesellschaft sieht. Br. Dr. Paul Löwy ist in seinem Aufsatze in unaufgetreten und hat nachzuweisen versucht, daß schon die ganze Struktur des Ordens dem Prinzipe der reinen Ethik nicht entspreche. „Ethische Kräfte müssen jeden Bund dazu führen, mit der Menschheit identisch zu werden, das heißt also, sich aufzulösen." Br. Dr. Löwy fordert auf Grund seiner Anschauung des Ordens als eines Freundschaftsbundes auf ästhetischer Grundlage, daß nur jene zu Brüdern gemacht werden sollen, „welche auf gleichem geistigen und sittlichen Niveau stehen; ja auch die Gleichheit des gesellschaftlichen Niveaus gehört dazu". Immerhin sind in den Forderungen des Ordens eine derartige Menge von Forderungen, die in das Gebiet der angewandten Ethik fallen, daß sie nicht ganz vernachlässigt werden sollen. Daher fordert der Orden die Aufnahme von Menschen, die geeignet sind, seelische Umwandlungen im Sinne dieser ethischen Forderungen mitzumachen, beziehungsweise von solchen, deren bereits hochentwickeltes ethisches Verhalten durch den Zusammenklang mit anderen noch gesteigert werden kann. Wer den Orden als ethische Erziehungsanstalt auffaßt, kann und muß in seinen Forderungen an die Kandidaten liberaler sein. Soll doch die Loge der Platz sein, wo durch Beispiel und Rituale — um mit den Worten Br. Dr. Sommers zu sprechen — der notwendige Vorstoß gegen die Selbstherrlichkeit des engherzigen Egoisten unternommen werden soll, wo der Mensch entdeckt, durch seine Befreiung von angemaßten, hartnäckig festgehaltenen Hüllen, durch LoslÖsüng vom Allzu-