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B'nai B'rith · 1926-01-01 · 1 (1.1926) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
1 (1.1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Kundigem gegenüberstand. Daß ein Mann, der Führer werden soll, sich beugt und sieh belehren läßt, ist nicht ein Spiel des Rituales, •sondern das Erlebnis der Demut vor dem neuen Dienste für die Ide-e. Die Brüder aber sind keine bloßen Zuschauer. Sie haben das Gefühl der Geborgenheit in einer sittlichen Idee. Sie erleben an dem Schauspiel des erneuerten Dienstes, daß es schon etwas ist. brüderlich und menschlich zu sein. In diesem dreifachen Wellengange des Gefühls, das man in sich bewußt oder unbewußt erfährt, liegt das Bewegende der Installation. Man wird mich darum nicht mißverstanden haben, wenn ich sagte, daß es auf die Reden gar nicht ankomme, wiewohl gerade in diesen getragenen Stunden jeder sein Bestes gibt. Ich kann mich in der Tat keiner Installationsrede entsinnen, in der nicht irgend etwas Persönliches, also menschlich Bedeutsames, gesagt worden wäre. Aber das hebt ja unsere Gemeinschaft von jeder andern ab. daß es nicht in erster Linie auf den Inhalt des Gesagten ankommt, daß das, was uns zusammenhält, was die Kraft und das Glück des Logenlebens ist, nicht das ist, was verhandelt und peripher berichtet wird, sondern irgendetwas Tieferes, Wesentlicheres, Zentraleres: daß Menschen sich um einer sittlichen Idee und um anderer Menschen willen zusammenfinden. Es sollten in den Logensitzungen Minuten vorgesehen sein, in denen jede Arbeit unterbrochen ist und in denen man aus tiefem Schweigen heraus das Glück des bloßen Beisammenseins fühlt. Binnenantisemitismus. So etwas gibt es in der Tat, Juden, die im geschlossenen jüdischen Kreise auf das Judentum schimpfen, die gegen alle Menschengruppen liberal sind, nur nicht — man verzeihe! — gegen die eigene. Nun ist gewiß nicht jede Kritik des Juden an Juden und am Judentum Binnenantisemitismus, Man kann aus Liebe kritisch sein, man kann aus Verzweiflung kritisch sein. Aber man darf es nur nicht aus Haß sein! Es ist ja bekannt, daß verkappte Liebe sich oft wie Haß gebärdet. Dennoch muß man auf der Hut sein vor verkappten Liebhabern. Sie sind imstande, mit ihrer Liebe alles zugrunde zu richten. Nun gibt es allerdings zwei Arten von Binnenantisemitismus. Den einen erseheint alles Jüdische als häßlich und minderwertig; sie empfinden eine ,Scham vor der jüdischen Geschichte, sie halten die jüdische Lehre für eine Torheit und das jüdische Leben für eine Verirrung; sie sind für eine rasche Liquidierung der jüdischen Restbestände. Und die anderen sind Binnenantisemiten aus Menscheitsgründen. Sie fundieren sozusagen ihr Gefühl durch eine Theorie. Dadurch, daß sie nur die Allmenscheit lieben, müssen sie alles hassen, was eine Bindung an einen kleineren Kreis bedeutet. Und jedes Interesse am Judentum, das nicht ein Interesse an seinem Verschwinden ist. heißt schon ein Kampf gegen das Allmenschliche. Merkwürdig, daß solche Binnenantisemiten nicht ihre geistige Haltung sehen, die sonst in keiner historischen Menschengemeinschaft sich wiederholt und die sie gerade außerhalb des Allgemein-Menschlichen stellt. Der Binnenantisemit ist einer der charakteristischesten Judentypen. ft.

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