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B'nai B'rith · 1926-01-01 · 1 (1.1926) · p. Seite 4

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Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
1 (1.1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 die philosophische Wissenschaft in einen neidischen Wettkampf mit der größer gewordenen Schwester. Erst durch die Erwägungen zweier Männer, die selbst streng mechanistisch geschult, in ihrer naturwissenschaftlichen Forschung auf Probleme stießen, bei denen die bloße Maschinentheorie des Lebens versagte, wandte man sich wieder ungehemmt den Fragen nach der Selbständigkeit des geistigen Lebens zu. Unserem großen Wiener Bruder Siegmund Freud und dem Leipziger Professor Hans Driesch verdankt die moderne Wissenschaft zweifellos den Durchbruch der starren mechanistischen Auffassung. Beide kamen sie auf Grund von Experimenten, nicht durch bloße Spekulation, zu ihrer Erkenntnis. Siegmund Freud, der Arzt, läßt freilich nirgends seine mechanistische Vergangenheit vermissen. Nur bekennt er sich zu einem neuen Mechanismus: dem des Bewußtseins. Die Bewußtseinszustände sind nicht bloß die Folge körperlicher Veränderungen in unserem Organismus, sondern die unmittelbare Folge (gewöhnlich) unbewußter geistiger Vorgänge. Gerade wegen dieser zentralen Umstellung des naturwissenschaftlichen Denkens blieb Freud so lange Zeit allein. Störungen des geistigen Lebens nicht durch Hypnose und nicht durch Medikamente beseitigen können, sondern lediglich durch die Entdeckung ihrer geistigen Verursachung: das setzt den Selbst wert des Geistigen voraus. Noch sinnfälliger für den Beweis einer außermechanischen Welt sind die Forschungen von Driesch. Er begann als Schüler Haeckels mit zoologischen Experimenten. Bereits 1891 gelang es ihm, befruchtete Seeigeleier im Zeitpunkte, da sie sich zu furchen begannen, zu zerschneiden und gegen alle Erwartung der Wissenschaft aus jeder Eihälfte ein vollständiges Tier zu entwickeln. Auch an den Eiern anderer Tiere wrurde der nämliche Versuch wiederholt, der offenkundig dagegen sprach, daß der Organismus nur eine komplizierte Maschine sei. Denn niemals kann es glücken, eine Maschine so zu teilen, daß zwei gleiche und gleich funktionierende Maschinen aus ihr entstehen. Und weiters: man ist sich heute klar darüber, daß ein Ganzes mehr ist als die Summe seiner Teile: daß zum Beispiel ein Baum, der lebt, doch etwas anderes ist als bloß Wurzel. Stamm und Krone; daß hier eine Beziehung, und zwar eine planvolle, beabsichtigte Beziehung in den einzelnen Stüaken waltet. Bekanntlich wachsen eanem Molch abgeschnittene Füße nach. Läßt sich ein solche Tatsache mechanisch erklären? Mit Darwins weithin gültiger Hypothese, daß von allen möglichen Arten hur die lebenstüchtigsten übrig blieben (das hieße hier: diejenigen Molcharten, welche die Fähigkeit erwrarben. abgeschnittene Füße sich nachwachsen zu lassen), oder mit Lamarcks noch umfassenderer Anpassungstheorie, die eine Vererbung erworbener Eigenschaften voraussetzt, weil sonst die Anpassung immer vom Urzustand beginnen müßte, mit solchen Hypothesen kommt man diesen reich vermehrbaren Tätsachen gegenüber nicht aus. Denn es wäre sinnlos, die These aufzustellen, daß aus Urzeiten her nur diejenigen Molche sich am Leben erhielten, die abgeschnittene Füße hatten. Es bleibt also zur Erklärung der Naturgebilde nichts anderes übrig, als anzunehmen, daß irgend ein Lebensetwas in den organischen Zellen vorhanden ist, das sich des

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