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B'nai B'rith · 1926-01-01 · 1 (1.1926) · p. Seite 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
5 (1926)
Issue
1 (1.1926)
Date
1926-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 bereits erreicht ist: der Kampf gegen den mechanistischen Naturalismus, ist in der Politik erst in Ansätzen zu finden. Am längsten behauptete sich der Naturalismus in den Wissenschaften. Bis vor kurzem konnte man keinen ..exakten" Forscher finden, der nicht alle Äußerungen des geistigen, also auch sittlichen Lebens als sekundär, als Folgen rein mechanisch-physikalischer Vorgänge und Entwicklungen im Menschen angesehen hätte, Ja, man unterschied geradezu zwei Typen von Menschen: die wissenschaftlich, das hieß mechanistisch denkenden, und die phantastisch, das hieß philosophisch denkenden. Und so sehr die reine Philosophie sich seit langem bemühte zu zeigen, daß die sittliche Welt mit ihren Werten, daß also die wahre Heimat der Menschen, gegenüber der naturgeschichtlich faßbaren Welt, wie sie uns die Sinne darbieten, selbständig und ursprünglich ist, so vermutete man doch immer hinter den sittlichen Forderungen und Wertsetzungen theologische Reste einer überwundenen Weltanschauung. Es kann nicht genug scharf betont werden, daß von einem streng mechanistischen Standpunkte aus, der alle Regungen des Lebens nur als maschinelle Funktionen gelten läßt, nichts schwerer ist, als sittliche Tatsachen, wie Wohltun, Mitleid, Freude an Gerechtigkeit, Selbstverleugnung, Pflichtbewußtsein zu erklären, geschweige denn zu fordern. Der Gedanke „ich soll etwas auch gegen meinen Nutzen tun" oder die plötzliche Erkenntnis, daß die Entscheidung zwischen zwei Handlungen mir selbst anheimgestellt ist, das sind Erfahrungen, mit denen die mechanische Weltbetrachtung auch dann nicht fertig wird, wenn sie die gewagtesten Hypothesen aufstellt. So wird zum Beispiel oft gesagt, daß alles sittliche Tun eine Folge automatischer Selbsterhaltung ist, daß sogar der Märtyrer nur möglich ist, weil er den Glücksgenuß des Todes höher stellt, als das dauernde Leiden, seinen Glauben nicht bekennen zu dürfen. Ist damit aber etwas anderes gesagt, als daß jemandem die 'Selbstaufopferung für eine Idee zur höchsten Freude werden kann? Diese Freude aber an etwas, dem ich einen höheren Wert zuschreibe als dem physischen Leben, ist ja das Rätsel der Sittlichkeit. Einem Gedanken Wert geben, an Werte glauben, vor allem aber zur Erkenntnis vom Werte eines Gedankens erwachen, kann man von mechanischer „Weltanschauung" aus nur als einen krankhaften Gehirnvorgang (nach Art von Wahnvorstellungen) erklären oder man müßte Kräfte im Menschen annehmen, die imstande sind, sogar seinen Mechanismus zu überwinden, also Gegenkräfte, also ein unmechanistisches Prinzip. Man mißverstehe mich nicht. Es lassen sich die sichtbaren dreidimensionalen Gebilde der physikalischen Körperwelt sehr wohl als Maschinen betrachten. Aber da man weder die Welt des sittlichen Wollens noch des erkennenden und irrenden Urteilens aus Maschinellem erklären kann, wird die mechanistische Betrachtung nie ein Weltanschauung werden. Solange freilich versucht wurde, bloß von der philosophischen Seite her die gefährdete Ethik in ihre Rechte wieder einzusetzen, blieb doch ein geheimer Zweifel zurück. Die Durchforschung eines ungeheueren Naturmaterials, das Überzeugende des jederzeit nachprüfbaren Experimentes, der überwältigende Gehorsam neuentdeckter Kräfte drängten

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