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B'nai B'rith · 1925-12-01 · 10 (12.1925) · p. Seite 267

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
10 (12.1925)
Date
1925-12-01
Page
Seite 267 (sequence 15)
Language
German
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267 ihnen eine bessere Zukunft werde; Mütter, die am Ende ihres Leben« verbraucht, sich mühsam dahinschleppen und wenn sie auch von den mittlerweile zu großen Kaufleuten, Industriellen, Technikern, Advokaten, Hochschullehrern etc. aufgestiegenen Kindern und Enkeln sorglich gepflegt und gehalten wurden, doch selten nur ihre letzten Lebenstage noch m Gesundheit genießen konnten; diese aufrichtigen Charaktere, die des Lebens Not nicht beugen konnte, die selbst ihren hochmütigen reicheren Glaubensgenossen einen steifen Nacken entgegengesetzt haben. Es hieß von manchem von ihnen: „Dalles von Libno und Geiwe von Prag.". (Armut aus Lieben, Stolz aus Prag.) [Libno, d. i. Lieben, woher die Finanz-Magnaten- und Gelehrtenfamilien Lieben stammen.] Da waren die kinderlosen, weil spät verheirateten Ehepaare, oft das gütige Schicksal der zahlreichen Verwandtschaft; resolute, herbe Frauen, die mit in die Seite gestemmten Fäusten ihre beschränkt ungeschickten, ungewandten Männer leiteten und dirigierten, die Vorsehung für ihre Verwandten spielten und unter herbem Äußern ein goldenes Herz trugen, wie Rakous' Resi. Die Heimat, die ihnen kärgliches Brot lieferte, liebten sie mit schwärmerischer Liebe. Bis ins hohe Alter trugen sie sie im Herzen, selbst im höchsten Glück, wie wir das vor wenigen Jahren bei unserem Br. Bundespräshlenen Adolf Kraus sahen, als er seine böhmische Heimat besuchte. Und doch! Ihre Kinder mußten hinaus, die oft jahrhundertelang von Juden bewohnten Häuschen mußten verlassen werden. Grund und Boden in entsprechendem Maße gab es nur für wenige Juden; der Verkehr, die Zuwendung der einheimischen Bevölkerung zum Handel zog dem jüdischen Händler den Boden unter den Füßen weg. Gab es doch eine Zeit, wo die Bezeichnung Jude und Kaufmann im böhmischen Dorfe identisch war und wo man, um die mangelnde Einsicht in wirtschaftliche Fragen zu charakterisieren, dem beschränkten Menschen die Worte in den Mund legte: „Der Jude hat das Gewürz umsonst!" (2id mä kofeiii zdarma.) Ähnliche Erwägungen sind es wohl, welche Rakous in dem zu räumenden väterlichen Häuschen im Gespräche mit seinen von Jugend an befreundeten Bauern leiten. Diese Welt ist im Versinken; aus dem harten Geschlecht der Dorfjuden wurde ein Geschlecht der Bewohner von Städten, wo das Lehen lebhafter rauscht, wo die Bildung und Existenzmögliohkeiten vielleicht, bessere sind, wo auch das jüdische Leben, wenn auch nicht in der innigen, herben und ursprünglichen Weise flutet. Aber ganz vergessen sollten die im bequemen städtischen Leben dahinplätschernden Nachkommen nicht, wem sie ihren Aufstieg verdanken, und die Ruhestätten ihrer Ahnen nicht der Verwahrlosung überlassen, wie es so häufig geschieht. Doch das großstädtische Leben führt schließlich zur Entartung, die städtische Bevölkerung kann sich nur erneuern durch Zufluß von außen, von Menschen, die ihre Lebenskraft aus der Scholle, aus der Natur gezogen haben. Der Jude muß wieder zur Natur, zur Mutter Erde zurück und aus diesem Grunde allein ist es schon eine jedes Preises würdige Bestrebung, eine große Zahl von Juden in Palästina anzusiedeln, für den Aufbau des Landes Opfer zu

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