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B'nai B'rith · 1925-12-01 · 10 (12.1925) · p. Seite 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
10 (12.1925)
Date
1925-12-01
Page
Seite 265 (sequence 13)
Language
German
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265 freudige Sorge um idie Beschaffung der Mazzes und der jontefigen Viktualien; das Backen der Mazzes zu Hause oder die Beschaffung von .außen; diese Frage bildete oft den Gegenstand erregter Diskussionen zwischen der resoluten Resi und dem schwerfälligen, etwas begriffst ützigen Modehe, den beiden köstlichen Gestalten in den üorfskizzen von Rakous. Wieviel Mißgeschick hatte der arme Modehe zu erleiden! Mit dem Mehl, das er schließlich nach langen Bemühungen erhielt und das ihm mit dem davoneilenden Zuge wegfuhr! Mit den Mazzes, die zerbrochen zurückkamen und neu angeschafft werden mußten, oder wenn säe auf dem Boden eingelagert waren, vom Winde durch das ganze Dorf fortgetragen wurden. Am Erew Pessach bildete es die Freude der Kinder, Kieselsteine zu sammeln, die dann im Feuer glühend gemacht und mit Wasser übergössen, prasselnd, zischend zum Koschermachen des Holz- und Eisengeschirres dienten. Dann wurde das altertümliche eigentliche Jontef- Gesehirr behutsam vom Boden herabgetragen. Die Frühlingssoune 'beschien das Dorf, der Schnee war geschmolzen, die Lerchen trillerten im Äther, der ärmste Jude machte die größten Anstrengungen und gab sein Letztes hin, um- Pessach halten zu können. Von einem armen Ziegenhändler, der den Winter über keinen Verdienst hatte, wurde erzählt, er habe das Glück gehabt, kurz vor Pessach von Janek eine Ziege zu kaufen und auszuschroten und für den Gewinn alles für Pessach Nötige anzuschaffen. Beim (Seder sang er dann mit seinen Kindern das schöne Lied: „Kdyby Janek nemel kozu. nemeli bychom charausis, kdyby Janek nemel kozu. nemeli bychom arbach kaussis."*) Wo ein Kramladen vorhanden war, wußte Janek und Wenzel. Baruschka und Maininka, daß sie durch acht Tage lang keinen Branntwein, keinen Essig, keine Grütze oder Reis, kerne Lebkuchen u. dgl. erhalten werden und versorgten sich im voraus. Alles Ghomctz wurde in einem besonderen Orte verwahrt und durch Schemverkauf an die Scbabbcsgoie verkauft; das in den Wohnräumen wurde verbrannt und so stand man am Nachmittage erwartungsvoll an der Schwelle des Pessach. Die Feiertagsstube glänzte von Sauberkeit, um den Tisch die Familie mit den Orchim, den durchreisenden Armen oder irgendwie Fremden. Mein Vater hatte die Gewohnheit, einen oder den anderen angesehenen Bauern zum Seder zuzuziehen, der dann still an der Ofenbank sitzend dem Gesang lauschte. Niemals ist damals ernstlich der Ritualmord-Aberglaube im Volke durchgedrungen. Nach langen Jahrhunderten mittelalterlichen Aberglaubens war es erst der Ära L u e g e r vorbehalten, ihn in der cechischen Bevölkerung wieder aufleben zu lassen. Heitere Zwischenfälle beim Seder gab es genug. Die Ziege, welche beim Öffnen der Tür, um Eliahu-hanowih eintreten zu lassen, anstatt des Propheten in die ebenerdige Stube kommt, ist das geringste. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts war es noch Sitte, daß der Haus- *) Hätte Janek keine Zieg' besessen, hätten wir kein charausis, hätte Janek keine Zieg' bessesen, hätten wir keine arbach Kaussis (die rituellen vier Becher Weines).

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