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B'nai B'rith · 1925-11-01 · 9 (11.1925) · p. Seite 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
9 (11.1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 243 (sequence 11)
Language
German
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243 er könne sein Geld schwer aus dem Geschäftchen ziehen, rief er ihm zu: „Was wollen Sie hier, schauen Sie, daß Sie weiterkommen." Handwerker gab es nur ganz wenige unter den Juden, am häufigsten traf man den jüdischen Glaser, der teils von Dorf zu Dorf zog mit der schweren Glaskraxe auf dem Rücken, um in den Bauernhäuschen die Fenster zu verglasen; daher wohl der häufige Name Glaser. Auch der Vater des nachmaligen Justizministers Glaser betrieb in Postelberg dieses Gewerbe. Selten gab es in den größeren Killahs jüdische Schneider und noch seltener jüdische Schuster- und Klempnermeister. Von den jüdischen Schuhmachern wurde mancher der Schöpfer großer Schuh Warenfabriken. Manche Frauen betrieben „Kunstputzerei" und Färberei. Von größeren einträglicheren Gewerben nenne ich bloß die ziemlich häufig vorkommenden Gerbermeister; auch manche von ihnen paradieren jetzt als Groß-Industrielle in der Ceehoslovakei. Gewissermaßen als Klein-Industrielle konnten die Pächter der kleinen herrschaftlichen Brauereien gelten; sie bildeten einen Teil der Aristokratie, die in der Kalesche fuhren, gegenüber der zu Fuß oder im Leiterwagen mühsam den Weg zurücklegenden übrigen Judenheit. Wo sie entlegen hausten, kamen sie an den hohen Feiertagen am Vorabende schon in die größeren Gemeinden und blieben dort bis zum Ausgange des Feiertages. Aus einer solchen Familie stammte der nachherige Generalstabsarzt und Chef des militärärztlichen Offizierskorps Wald stein; seine Nachkommen allerdings sind schon hohe richterliche, christlich-sozial gesinnte Beamte.*) Ein bereits ausgestorbenes Gewerbe, das viele Juden betrieben, war die Pottasche-Siederei und Flußsiederei. Mitten im Walde stand ein mit halboffenem Dache versehenes, der Gutsherrschaft gehöriges, gemauertes Gebäude, darin große Bottiche, in welchen Asche ausgelaugt wurde, um aus ihr die Pottasche, das kohlensaure Kali, zu gewinnen. Die Asche wurde aus den umliegenden Dörfern zusammengeführt und zusammenhausiert, die Pottasche wurde im Böhmerwalde an die Glasfabriken verkauft. Das alles hatte mit dem Abbau der Kalilager in Deutschland und der großen Kaliwerke ein Ende erreicht. Sehr verbreitet war der Stand der Mautpächter, daher der Familienname Mauthner und Mostny. Bis anfangs der 80. Jahre des vorigen Jahrhunderts kann man das Verhältnis der Landbevölkerung zum Juden als ein vorwiegend gutes bezeichnen. Der Hausierer fand, wenn notwendig, auch bei den Bauern Nachtlager und es wurden ihm in seinen mitgeführten Kochtopf Kartoffeln, Eier und Butter gegeben. Die Entfernungen zur Stadt waren groß, der Bauer zu Hause überbeschäftigt. Eisenbahnverbindungen gab es damals noch so wenige und so war der Jude, wenn sein Besitztum noch so geringfügig war, das kommerzielle Zentrum des Ortes und der nächsten einsamen Gehöfte. Er kaufte vom Bauern das Getreide, die Wolle, von der Frau die Federn, den Mohn usw. Er war, wenn er nur ein wenig Geld hatte, seien es auch nur einige hundert Gulden, der Kreditgeber des Dorfes, der im Frühjahr, wenn der Bauer Geld brauchte, ihm solches *) Aus einer Brauereifamilie Mauthner in Münchengrätz entwickelte sich die Großbrauereifamilie der Mauthner-Markhof in Wien.

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