B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 9 (11.1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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237 zeigen, wo Jerusalem liegt, wohin man sein Gesicht beim Sch'mono Essreh-Gebet wenden sollte. Ferner sah man an den Wänden Bildnisse berühmter Rabbiner, bei uns am häufigsten das Bild des Nikolsburger Oberrabbiners Mordechai B e n e t h oder das des Prager Oberrabbiners Samuel Landau, später das von Salomon Rappaport; daneben im unmittelbaren Vormärz und nach dem Vormärz eine Lithographie, darstellend die Audienz Moses Montefiore's und Adolf (Aharon) Cremieux beim Vizekönig von Ägypten, Mehemed Ali, anläßlich der Ritualmord- Besohuldigung der Juden in Damaskus 1846. Außer der deutschen Legende erinnere ich mich noch, darauf die charakteristische Inschrift gelesen zu haben: Moscheh we Aharon lipnei Melech Mizraim (Moses und Aharon vor dem König von Mizraim).*) Neben diesem Räume war noch eine kleine Kammer, ebenfalls mit Bettstatt und Kasten. Es gehörte schon eine gewisse Wohlhabenheit dazu> noch eine „gute Stube" zu besitzen. Diese „Wohlhabenden" hatten gewöhnlich auch schon einen kleinen Kramladen in dieser oder jener Form, offen auf die Straße, oder nur eine kleine Kammer, die durch die Wohnung zugänglich war; in kleinen Weilern beherbergte der Zinnkasten oft das ganze Warenlager, bestehend aus Gewürzen, Kaffee, Zucker und einigen Ellen von Baumwollstoffen für das Allernotwendigste der Dorfinsassen und Kurzware. Wer ein Lager von Leinwand, von billigen Kleiderstoffen für die weibliche Bevölkerung oder gar seidene Bänder in seinem Warenbestände führte, war schon ein Kaufmann. Solche „Kaufleute" gingen auch oft mit ihrer Schnittware, der sie noch Seidentüchel oder bessere Wolltüchel beifügten, mit schwerem Binkel belastet, die ganze Woche ins Dorf, um sie abzusetzen. Als sehr reich galt schon derjenige, der ein mit Ziegeln gedecktes Haus und einen großen, offenen Laden mit Schnitt-, Kolonial- und Eisenwaren hatte, dabei noch einige Strich Felder, 2 Kühe im Stalle und der nicht mehr hausierte. Zu den Reichsten gehörte der Randar, d. h. der Pächter der herrschaftlichen Branntweinbrennerei, der nebenbei zur Fütterung mit Nebenprodukten eine größere Zahl von Mastochsen eingestellt und dazu einen Meierhof mit entsprechendem Boden gepachtet hatte; der war ein „Kocen". Kehren wir in die kleinen Hausiererhäuschen oder Kleinhändlerhäuschen zurück! Es ist der Rüsttag des Sabbath: Der Fußboden ist aufgerieben — aber gewöhnlich nicht durch eine Magd, sondern durch die weiblichen Familienangehörigen selbst — u. zw. sowohl der Ziegelboden, als der Holzboden des Wohnraumes. Er ist peinlich bedeckt mit alten Säcken, damit er vor Eintritt des Sabbaths nicht wieder beschmutzt werde; auf den Tisch wird ein sauberes, wenn auch etwas verblichenes Tischtuch aufgelegt, mit uraltem Muster, die von der Decke hängende, vielzinkige Messinglampe ist schon blitzblank geputzt und harrt noch des heimkehrenden Vaters, der die Dochte herrichtet und das Baumöl eingießt. *) Syrien war damals unter der Herrschaft des Vizekönigs vom Ägypten und die Ritualinordgeschichte vom französischen Generalkonsul angezettelt, um England ^Schwierigkeiten zu bereiten.