B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 8 (10.1925)
- Date
- 1925-10-01
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 der 40er Jahre ich zu meiner Freude in der Gemeindekanzlei in Linz gefunden habe, als ein Zeichen der Pietät der Linzer, die ja größtenteils aus Kaladei und Umgebung stammen. Im westlichen Teile und besonders in dem rein cechischen Teile gab es nur eine Jesohiwah, die sich erst spät entwickelte, Golc-Jenikau, vom Großvater unseres Br. Dozenten Kornfeld geleitet und dem Stammvater der ungarischen Magnatenfamilie Kornfeld. Bekannt waren die Gemeinden in Amschelberg (Kosova Hora) und Kassejowitz. Die Verhältnisse entwickelten sich in Böhmen einigermaßen anders als in Mähren, wo zwar die Juden in Brünn und in Olmütz nicht wohnen durften, aber doch in den größeren Städtchen und Städten eigene politische Gemeinden bildeten und besonders unter dem Protektorate der Fürsten Dietrichstein der Sitz des Land-Rabbinates in Nikolsburg einen großen Einfluß auf das geistige Leben der Juden in Mähren, später aber auch in dem relativ nahen Wien ausübte. Ihr Leben wurde liebevoll von S. Kulka geschildert. Sonst gab es eine ganze Reihe von kleinen Marktflecken und großen Dörfern, die ohne viel geistigen und kulturellen Einfluß von außen doch jahrhundertelang in ihrer Eigenart bestanden und die angrenzenden, in den Dörfern zerstreuten Judenfamilien und Familiengruppen vereinigten. Es gibt heute Hunderte von verlassenen oder halbverlasseru'ii jüdischen Friedhöfen in Böhmen, deren Alter auf 3—4, auch 5 Jahrhunderte zu zählen ist und Hunderte von verlassenen Synagogen, die als Scheunen und Wirtschaftsgebäude, vielfach auch als Ställe den Bauern dienen. Der Zusammenhang dieser zerstreuten Judenfamilien war sehr verschieden: Manche von ihnen, besonders z. B. die zwischen Felsen des steilen Moldau-Ufers wohnten, kamen in den Sitz der Gemeinde oder in eine Betstube nur an den Feiertagen, einzelne übten ihren Gottesdienst in der Stube eines der besser situierten Dorfnachbarn und kamen besonders an den Tagen der Jahrzeit und bei Begräbnissen in näheren Zusammenhang miteinander. Bei Krankheiten und Todesfällen schmolz die im harten Kampfe um das karge Brot und des Lebens Notdurft erstarrte äußere Rinde um das gute Herz. Bei aller Freundschaft mit den Bauern waren es doch nur die jüdischen Herzen, die einander in Freud und Leid entgegenschlugen. Das jüdische Häuschen war ein Gegenstand inniger Anhänglichkeit: gingen wir mit dem Vater durch die Dörfer, zeigte er immer, da wohnt ein Jude, dort hat eine jüdische Familie lange gelebt, Beschneidung und Hochzeit lieh willkommen fröhlichen Anlaß zum Beisammensein. Die Trauung wird im Garten oder im Hofe unter Andrang der Dorfbevölkerung vorgenommen. Größere Gemeinden mit guten Schulen waren in Süd- und Westböhmen in einzelnen Marktflecken, wie in Amselberg, vulgo Amschelberg genannt und noch einige mehrere. (Aus diesem letzten Orte stammten die Eltern des Dichters und Politikers Moritz Hartmann, des nachmaligen Mitgliedes des Frankfurter Parlamentes.) Trotz ihrer wenig glänzenden materiellen Verhältnisse hielten die Gemeinden ihre Rabbiner, die sogenannten Lokalrabbiner, gegenüber den Kreisrabbinern. die von der Regierung ernannt, gewisse staatliche