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B'nai B'rith · 1925-10-01 · 8 (10.1925) · p. Seite 219

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
8 (10.1925)
Date
1925-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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219 Öelakovsky). In Strakonitz werden noch heute in der Haskarah die Namen der damals am Scheiterhaufen Verstorbenen genannt und der Holzpflock, der ihr Grab bezeichnete, aufbewahrt. Vertrieben wurden die Juden aus Pilsen, aus Saaz, aus Eger und allen größeren königlichen Städten, besonders aber den Bergstädten Kuttenberg, Joachimsthal, Pribram. So geschah das dem Entgegengesetzte, was Jahrhunderte später in Rußland eintrat: Während dort die Juden in den Städten zusammengepfercht wurden, kamen die cechischen Juden auf das flache Land, in Dörfer und Marktflecken, in Gemeinden und zerstreute Siedlungen. Nur in Prag haben, abgesehen von kurzen Zwischenräumen der Vertreibung, die jüdischen Einrichtungen eine kontinuierliche Entwicklung erfahren. Nach Prag waren deshalb Jahrhunderte hinduroh die Augen aller Juden im Königreiche gewendet; Prag war das Ziel und die Sehnsucht des Dorfjuden und der Prager Jude fühlte sich auch über den Dorfjuden erhaben, wovon in Anekdoten und Sprüchen das Andenken fortlebt. Durch die Ansiedlung der Juden im Dorfe war auch ein gewisser kultureller Rückgang unvermeidlich verbunden, aber auch vielfach körperliche Gesundheit und eine natürliche, unverkünstelte Lebensanschauung, die sich wieder gegenüber dem Prager Juden in witzigen Bemerkungen und Geschichten Luft machte. Doch gab es in größeren Marktflecken und ganz kleinen Städtchen auch Judengemeinden, die sich wirtschaftlich und kulturell entwickelten und in denen da« Studium des jüdischen Schrifttums sich ganz schön entfaltete. Zu diesen Orten gehörte besonders Lichtenstadt bei Karlsbad — in Karlsbad durften keine Juden wohnen —, später Sitz des Kreisrabbinats des Saazer und Elbogener, noch später des Egerer Kreises, wo mein Onkel Sal. Sachs bis zum Jahre 1852 Kreisrabbiner war und als erster die deutschen Predigten eingeführt hat. Er war überhaupt der erste Philosophie-Doktor unter den Rabbinern Böhmens und gab eine vielverbreitete Volksbibel heraus. Die in Deutschland und Österreich zerstreuten Juden und Juden-Abkömmlinge mit Namen Lasch stammen alle aus Lichtenstadt; der Name ist aus den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens entstanden. Ferner zu erwähnen wären die Gemeinden K o 1 i n, R o n s p e r g und K ö n i g s w a r t. In letzterem Orte betrieben die Juden nach ihrer Vertreibung aus Saaz und Eger einen schwungvollen Handel nach dem benachbarten Bayern und Sachsen und im Jahre 1618, als der Protestanten-Aufstand den Anlaß zum Beginne des 30jährigen Krieges gab, brachten sie die am Leben bedrohten Jesuiten, als Fuhrknechte verkleidet, nach Bayern hinüber, wofür zum Dank nach der Schlacht am Weißen Berge diese bei dem Bau des Tempels behilflich waren. Die im Jesuitenstile erbaute Thoralade gibt heute noch Zeugnis davon. Solche Gemeinden gab es überdies längs des Böhmerwaldes: Petschau. Luck, Soborten. Tachau. Taus, ebenso im westlichen und südlichen Teile Böhmens: hier besonders die Gemeinde Kala de i, Sitz des Budweiser und Taborer Kreisrabbinats, in der eine große Gemeinde und eine rühmlich bekannte Jeschiwah war. Als einer der Letzten wirkte hier ein Verwandter von mir, der spätere Oberrabbiner von Prag, Samuel Löb Kauders, dessen Lithographie aus dem Anfange

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