B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 7 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 203 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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203 J.u de ns c h w a m rn hat nichts mit Juden zu tun. sondern gehört in die Gruppe der Judas-Namen und wird auch Judasscbwamm, ferner Jn lasohr, Judassinohr, Judenohr (lat.: Auricula Judae, franz.: Oreille de Judas, engl.: Jew's-ear, Judas-ear), genannt. Es ist dies die volkstümliche Bezeichnung des Holunderschwajnmes (Fungus Sambuci). Dieser ist hohl und runzelig und hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Ohre. Die Bezeichnung Judas-Ohr erfolgte wohl unter Bezugnahme zur bekannten Stelle im Evangelium Matthe! Auch die Bittersüßstengel (iSt&pites Duicamarae) werden als Vigne de Judee, deutsch: Judasrebe, bezeichnet. — Schließlich gehört auch das schon oben genannte Judenkraut Galeopsis in diese Gruppe. Ein Überblick über diese mit ..Juden-1 zusammengesetzten Fachbezeichnungen zeigt uns. daß kaum eine Gruppe dieser Namen den Zweck der Verächtlichmachung verfolgt. Sehen wir von den Namen ab. die auf Bibelstellen oder auf die orientalische Provenienz der damit bezeichneten Gegenstände zurückgehen, so bleibt der hauptsächlichste Anlaß für diese Nomenklatur die Ähnlichkeitsbezeichnung mit solchen Gegenständen, die nicht etwa dem zu bezeichnenden Sachbegriffe am ähnlichsten sind, sondern die für die Allgemeinheit den Charakter des Sonderbaren und des Auffallenden besitzen: und umgekehrt zeigen uns gerade solche Beispiele der Namengebung. daß solche .,Judenmerkmale" den Gedankenkreis der Umgebung stark tangierten. Uns allen ist die Vergleichsbezeichnung „wie in einer Judenschule" geläufig und nicht allzuselten wird sie als Beleidigung empfunden. Und doch muß jeder zugeben, der die Art der alten Judenschule, der Glieder, ihre Diskussionsform in stimmlicher und formaler Beziehung noch kennen lernte, daß der Beobachter davon einen derartig nachwirkenden Eindruck erhalten mußte, daß ihre Heranziehung für „Vergleiche" nur zu verständlich wird. Wir können uns ebensowenig wundern, daß ebenso wie die Judenschule auch die „Schul" mit ihrem alten lauten Gottesdienste, dem stillen kirchlichen als oft gehörten Vergleich gegenübergestellt wird und in die gleiche Kategorie gehören eben auch alle jene für die ..andern" auffallenden Merkmale, die auch bei der volkstümlichen Namengebung als Vergleichsmoment herangezogen werden. Eine Verächtlichmachung ist hiebei etwa ebenso gegeben, wie bei der Farbenbezeichnnng ..mohrenschwarz"; denn nach Ansicht de- Mohren gibt es auch hiefür andere Vergleichsobjekte! — Von diesem Gesichtspunkte ans zeigt das Beispiel der volkstümlichen Namengebung auch, wie sehr und wie nachhaltig das äußerlich Auffallende den Vorstellungskreis der breiten Volksmasse beherrscht und daß Juden- und Judentracht hierbei keine unbedeutende Rolle spielten. Literatur: Brunnfels: Kräuterbuch, Straßburg lo30. Bock: Kräuterbuch, Straßburg 1546. Matthioli: Kräuterbuch, Prag 1563. Wirsung: Kräuterbuch, Neustadl II 1597. Lonicerus:-Kräuterbuch Frankfurt 1598. T^bernemontanus: Kräuterbuch, Basel 1687. Müller: Namenlexikon. Frankfurt 1661. Adelung: Wörterbuch, 1802—1808. Grimm: Deutsches Wörterbuch. Meyer: Konvers. Lexikon. 6. Aufl. 1900. Weigand: Deutsches Wörterbuch. 1909. Dragendorff: Die Heilpflanzen, Stuttsrart 1898. Engler: Syllabus der Pflanzenfamilien. Kanngießer: Ethymologie der Phauerogamennomenelatur. Gera 1908.