B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 7 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 202 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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202 von den Reisenden nach Europa mitgebracht wurden. Als J u d e n - steine (Lapis Judaieus offic. bei Dioscorides) werden die sichelförmigen Stacheln einer in der mittleren Kreide von Palästina vorkommenden Art Cidaris glandularia genannt. Sie wurden oft unter der Bezeichnung „Judensterne", Lapides judaici. oder ..Melonen vom Berge Kännel" nach Europa gebracht. Lediglich der orientalischen Heimat verdankt der Judenp f e f f e r (Fructus Amomi) und die Judenn u ß, bezw. Judennüßchen (Klapper- oder Pimpernüsse), die Frucht der . wilden Pistazie, ihren Namen. Line 8. Gruppe von Juden-Namen umfaßt solche Bezeichnungen, für welche in nicht sehr schmeichelhaftem Sinne Eigenschaften u. ä. für die Namenwahl herangezogen wurden, die als spezifisch jüdisch bezeichnet wurden. Es muß jedoch betont werden, daß hier eine gewisse ausgleichende Gerechtigkeit waltete und daß der berüchtigte Jude n z o p f ebenso als „Weichselzopf" und anderwärts wieder als .,Polenzopf" m der Literatur erscheint. Es ist dies eine Bezeichnung für eine unlösliche verlauste Verfilzung der Haare an verschiedenen Teilen des Körpers, besonders am Kopfe. — ..eine Erscheinung, die besonders in Polen, der kleinen Tartarey und in Ungarn epidemisch vorkommt, und wiewohl die Juden aus den genannten Ländern ihn mehrmals haben" — daher Judenzopf, Trica. anderseits: Plica polonica. Im Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert war er auch in Deutschland nicht selten; oft war er auch in der Schweiz. Belgien, am Rhein und im Elsaß epidemisch. In Polen und in den unteren Donauländern galt er abergläubisch als Schutz und Heilmittel gegen allerlei Krankheiten, gegen Behexung usw. Dem Judenzopfe schließen sich mit gleicher Aetiologie für die Namenbezeichnung die Judenwurzel (Radix Vincetoxica) an, die als ..Pulv. contra pediculos" zur Bereitung des. J u d e n s t a u b e s oder Juden Stoffes als Läusepulver diente. Auch Judenseife, Judensalbe und Jude n schmeer dienten dem gleichen therapeutischen Zwecke. 9. Gruppe. Es sei noch erwähnt, daß ebenso wie in der I. Abteilung auch hier in der II. Abteilung einzelne Juden-Namen keine einheitliche Erklärung finden, wie Judenkrik für die Stechäpfel (Strammonium) und daß anderseits Worte wie Judeirb u c h e nicht etwa eine volkstümliche Bezeichnung für eine Pflanze darstellt, sondern bekanntlich der Name einer Erzählung der Annette v. Droste-Hülshoff ist, in der der Anlaß dieser Bezeichnung hinreichend klar zum Ausdrucke kommt. Wie in der I. Abteilung, so haben wir auch hier in dieser zweiten schließlich eine letzte 10. Gruppe von Juden-Namen kennen zu lernen, die ihre Bezeichnung nicht von .,Jud". sondern von „Judas" ableiten und nur im übertragenen Sinne als Juden-Namen anzusehen sind. Dies gilt vom J u d e n b a um (Oerels Siliquastrum). der auch Ju das« bäum. J u d as 1 i n d e (Arbor J u d a e) genannt wird, weil sich an einem Baume dieser Art Judas erhängt haben soll. Doch sei erwähnt, daß auch der Baum der Judenkirschen sowie anderseits der ..Wild-Johannisbrotbaum" Judenbaum genannt wird. Auch der