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B'nai B'rith · 1925-09-01 · 7 (9.1925) · p. Seite 198

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
7 (9.1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 In diese 3. Gruppe kann auch das Wort Judeneid eingereiht werden, als welcher ein besonderer, nach den Gebräuchen der jüdischen Religion eingerichteter Eid bezeichnet wird, den ein Jude in den nötigen Fällen abschwören mußte (engl. Jewish oath). In anderer Bedeutung wird als Judeneid der seit dem Mittelalter den Juden in den ost- und westeuropäischen Staaten aus Haß und Mißtrauen von den Behörden vorgeschriebene Eid bezeichnet, der unter einem eigenartigen Zeremoniell und nach einem Verwünschungen und Flüche androhendem Formular vor Gericht geleistet werden mußte. Das älteste Formular des Eides more judaico in deutscher Sprache ist vom Erzbischof Konrad von Mainz (1160—1200) ausgearbeitet. Erst später wurde dem Eide das Schimpfliehe genommen. In Deutschland ist er seit 1869 beseitigt. Juden-Namen einer 4. Gruppe dienen als Bezeichnung von Gegenständen, die von Juden getragen oder benützt wurden, teils freiwillig der Sitte entsprechend (wie Judenbart, Judenhaar), teils gezwungen als aufgedrängtes Unterscheidungsmerkmal (Judenfleck, Judenhut). Der Judenhut war die im Mittelalter vom 12. Jahrhundert an den Juden von den Obrigkeiten vorgeschriebene Kopfbedeckung. Es war dies ein orangegelber spitzer Hut mit weißem Rand, oder ein weißer mit gelbem Rand, bisweilen war er auch hornartig gekrümmt. Die außerordentliche Bedeutung, die gerade der Judenhut für die Erklärung der von uns zu behandelnden Namen besitzt, wird deutlich aus dem folgenden hervorgehen. In eine 5. Gruppe gehören Juden-Namen, deren Erklärung nicht ganz einheitlich und Gegenstand dauernder Kontroversen ist. Als Beispiel .sei der Judenspieß erwähnt, eine Bezeichnung, die sich als „Juden spyess" zuerst in Sebastian Brands „Narrenschiff-' findet. Nach Adelung handle es sich nur um eine gemeine Redensart, die verschiedene Deutung gefunden hat: 1. Mit dem Judenspieße laufen" einem „jüdischen" Wucher, d. h. einem unerlaubten Gewinne nachgehen. 2. Die Juden durften zu ihrer Sicherheit als einzige Waffe einen Spieß tragen. 3. Mit einer unerlaubten Waffe laufen. 4. Mit einem Turnierspieß alles niederwerfend. Erwähnt sei in diesem Zusammenhange eine neue Untersuchung von Konrad Burdach „Der Longinus-Speer in eschatologischem Lichte", die in den Sitzungsberichten der preußischen Akademie der Wissenschaften 1920 erschienen ist. In diese Gruppe gehört auch die Bezeichnung Judenfolie für Stanniol, das für den sogenannten Judenspiegel Verwendung fand. Die 6. Gruppe von Juden-Namen sind nicht Juden-Namen im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern leiten sich von Judas ab und sind hinsichtlich ihrer Bedeutung auch der neutestamentarißchen Charakteristik Judas" angepaßt. Hieher gehören „J udasku ß" als Bezeichnung für „verräterischer Kuß". ..J u das s c h w e i ß", ein bei großer Angst ausgepreßter Schweiß, „dergleichen Judas bei erwachendem Gewissen haben mußte". Auch das französische Wort „Judass" für das kleine Guckloch der Türen bedeutet nichts anderes, als daß es dem Durchschauenden zum Verräter wird für den, der außen steht, ohne daß dieser den „Verrat" merkt. Die Einbeziehung

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