B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 7 (9.1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 In dieser I. Abteilung können wir in einer 1. Gruppe die Juden- Namen zusammenfassen, die vermutlich überhaupt nichts mit Juden zu tun haben. Es sind dies meist Ortsbezeichnungen, wie Judenbach, Judendorf, Judenburg u. ä. Es gibt wohl Orte und Ortsteile solcher Bezeichnung, wo mit dem Namen, meist sagenhaft, irgend eine Beziehung zu „Juden" überliefert wird; so werden Kämpfe und Überfälle, ein Mord, eine Zwangsansiedlung u. ä.. als Ursache der Bezeichnung angeführt, doch handelt es sich gerade bei diesen Orten häufig um sagenhafte Überlieferung. (Hier sei auf die Erklärung der Entstehung des Wortes „Judenburg" bei Rosegger verwiesen.) Dieser wiederum steht die Ansicht gegenüber, daß das Wort „Juden" in solchen Ortsbezeichnungen überhaupt nichts mit Juden zu tun hat, sondern durch Volks- Ethymologie aus ähnlich klingenden Namen abgeleitet wurde. So soll gerade das Wort „Judenburg" sich von „Idunburg" ableiten. Idun ist der Name einer germanischen Göttin, die offenbar in der vorchristlichen Zeit an diesen Orten verehrt wurde und deren Name dann im Zeitalter der Christianisierung vielleicht unabsichtlich, vielleicht aber direkt beabsichtigt, auf Juden hingelenkt wurde, um die Neubekehrten vom heidnischen Glauben abzulenken. Eine 2. Gruppe von Juden-Namen dient der Bezeichnung von Orten, Stadtteilen usw., die von Juden in größerer, geschlossener Masse bewohnt wurden, wobei es anscheinend keinen Unterschied bedeutet, ob diese Rayonienung eine gewohnheitsmäßig freiwillige oder eine zwangsweise war. Namen dieser Art, wie „Judenstadt, Judengassey Judenschule", bedürfen keiner weiteren Erläuterung. In einer 3. Gruppe von Juden-Namen können wir solche vereinigen,, deren Ethymologie nicht so selbstverständlich ist wie die der Gruppe 2, sondern nur aus den zeitgeschichtlichen Strömungen ihre Erklärung findet. Hieher gehören: Judenporzellan. Es ist dies eine frühere Bezeichnung der Erzeugnisse der Berliner Porzellanmanufaktur, weil nach einer 1787 aufgehobenen Verordnung Friedrichs II. zur Hebung der einheimischen Porzellan-Industrie kein Jude die Erlaubnis zur Verheiratung erhielt, bevor er nicht in der königl. Manufaktur ein Service gekauft hatte, dessen Wert nach seinem Vermögen bestimmt wurde. Judengroschen, bezw. Juden köpf : Namen älterer sächsischer Groschen des 15. und 16. Jahrhunderts, die den im sächsischen Wappen befindlichen Judenkopf mit dem damals üblichen spitzen Hut (s. Judenhut) zum Gepräge haben. Daher führen sie auch die Bezeichnung Judenhüte, Judenköpfe oder Spitzgroschen. Judenschutz: Der Schutz, den die Obrigkeiten den Juden angedeihen ließen (Schutzjuden!). Judensteuer: Die Steuer, welche die Juden an christliche Obrigkeiten für den Schutz, den sie von diesen erhielten, zu zahlen hatten. Judenzins : Der Zins, der den Juden beim Geldverleihen zu nehmen erlaubt war und der an den meisten Orten durch Gesetz bestimmt wurde. Judengenosse und Judengenossin: Bezeichnung von Personen, die die jüdische Religion angenommen hatten, also Proselyten.