B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 187 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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187 liches, konstruiertes Paradoxon, das mit den wirklichen Widersprüchen oder Paradoxen des tatsächlichen Lebens nichts zu tun hat. Der Zentralgedanke des Buches ist, daß der Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden qualitativ anders geartet sei als ein solcher zwischen den verschiedenen nichtjüdischen Eassen und nicht allein auf rassenmäßiger Grundlage beruhen könne; es bestehe somit eine Zweigabelung der Welt, und zwar in Juden und Nichtjuden, in die jüdische und nichtjüdische Kultur. Das Jüdische sei die bessere Hälfte; der Jude habe die undankbare Rolle des Heiligen, der in der Gesellschaft von Sündern leben müsse. Für M. Samuel sei der Fundamentalunterschied zwischen jüdischem und nichtjüdischem Wesen die Auffassung des Lebens. Dem Nichtjuden sei das Leben ein Spiel, ein Wagnis, ein Abenteuer, mit einem Worte Sport; dem Juden sei das Leben die in den Dienst des Göttlichen, des Ewigen gestellte Wirklichkeit, mithin heiliger Ernst. Daher die Liebe zum Frieden, die Abneigung gegen Sport und Athletik, daher der Mangel an Loyalität, die Wertschätzung der allgemein menschlichen Ethik, der Mangel an Disziplin usw.; bei den Nichtjuden finde» das Gegenteil statt- Blau meint mit Recht, daß solche Einteilungen im Grunde genommen lebensfremd seien; man könne das Leben nicht in Weiß und Schwarz, Spreu und Weizen sondern; da gebe es die mannigfaltigsten Abstufungen, Übergänge, wechselseitige Beziehungen und Einflüsse, und wer diese Bedingungen nicht berücksichtige, werde das Leben überhaupt und das jüdisch-nichtjüdische Problem insbesondere niemals erfassen. Solche Einteilungen seien wissenschaftlich und praktisch wertlos und werden nie Überbrückungen und Ausgleichungen zwischen beiden Seiten verhindern können. Immerhin müsse man zugeben, daß charakteristische Merkmale dem jüdischen Wesen als geschichtlichem Faktor zukämen. Blau erblickt solche in der jüdischen Auffassung der menschlichen Persönlichkeit, die als frei, unverletzlich und heilig gelte, mit der daraus sich notwendig ergebenden Folge der Heilighaltung des Lebens; darin bestehe der wesentliche Anteil des jüdischen Geistes an der menschlichen Kultur. Ein zweites Merkmal des jüdischen Wesens ist für Blau die Auffassung, daß alle Menschen vervollkommnungsfähig sind, gegenüber der aristokratischen Anschauung der Hellenen oder der christlichen Ansicht, die das Prinzip der Selektion verficht. Ein drittes Merkmal sei der Wirklichkeitssinn das jüdischen Messianismus im Gegensatze zum Romantizismus der Hellenen und der christlichen Eschatologie. Schließlich stellt sich auch für Blau der Ernst in der jüdischen Lebensauffassung, ähnlich wie für M. Samuel, als eine Grundrichtung im jüdischen Wesen dar. Während aber für Samuel Ernst und Sport der alleinige Ausgangspunkt für die Spaltung in jüdisches und nichtjüdisches Wesen ist, setzt Blau alle von ihm aufgestellten vier Merkmale gleich. Nun versucht letzterer Samuels Behauptungen zu widerlegen. Besonders scharf wird der Vorwurf des Mangels an Loyalität als grundlos und auch gefährlich zurückgewiesen. Sodann fragt er, wie sich Samuel den sittlich tiefen Ernst eines Plato erkläre, wie er es deute, daß der Begriff des Pleiligen nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Griechen und Römern eine bedeutende Rolle spiele. Auch die Heiden sprechen von Gott als Vater, von der Nachahmung Gottes, von der Versenkung in Gott, wie die jüdischen Propheten und Psalmisten. Dem Arnos, Jesaias, Jeremias, Hillel, Jesus in Jerusalem entsprechen Sokrates, Plato, Epiktet, Marcus Aurelius in Athen und Rom. Geistige Kräfte gleichen Wesens seien da und dort wirksam. Wenn Samuel auf dem Standpunkte steht, daß der von ihm konstruierte Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden eine nicht überbrückbare Kluft bedeute, und er sich zu der Behauptung versteigt, daß Juden und Nichtjuden nicht beisammen bleiben können, ohne daß sich dieser krasse Gegensatz fühlbar mache, so gibt es für Blau keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden, der einen fortdauernden Antagonismus begründet; er findet vielmehr, daß der Jude allzuleicht fremden Einflüssen unter-