B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 186 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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186 würde uns zwingen, an eine Neuformulierung des Judentums zu gehen, um seine Lehren allgemein zugänglich zu machen, und würde uns das allmählich entschwindende Vertrauen zum Judentum wiedergeben. Über Mittel und Wege dazu gibt der Verfasser nichts an. — Jüdische Gelehrte haben in Amerika eine Akademie für jüdische Forschung gegründet. Ihr Präsident, Dr. Louis Ginzburg, Professor für Talinudwissenschaft an dem jüdischtheologischen Seminar, bespricht die Notwendigkeit und Bedeutung dieser Akademie nicht nur für die jüdische Wissenschaft, die in die rechten Wege gebracht werden soll, sondern auch für die innere und äußere Einigung des Judentums. — Rabbiner Leon Spitz, der Verfasser des Buches „Bibel, Juden und Judentum in der amerkanischen Dichtung", behandelt, sein Arbeitsgebiet erweiternd, den jüdischen Witz und Humor in der amerikanischen Dichtung. Zahlreiche Beispiele aus den Werken Longfellows, des Dr. Holmes, James Eussel Lowells zeigen uns, daß die amerikanische Dichtung — vielleicht gilt dies von der angelsächsischen Dichtung überhaupt — mit der Bibel und dem jüdischen Schrifttume inniger verbunden ist als die Literaturen anderer Völker. Vielleicht läßt sich die Behauptung aufstellen, daß die Kenntnis und Hochschätzung der Bibel und des jüdischen Schrifttums, das sich um die Bibel als Kern entwickelt hat, die Angelsachsen vor den rohen Formen des Judenhasses, vor der Verachtung des Volkes, aus dem die Bibel hervorgegangen ist, in wirksamer Weise schützt, während die Herabsetzung und Verachtung der Bibel auch die der Juden zur Folge hat. Wie Longfellow vom Talmud dachte, geht aus seinen Versen hervor: „That book of gems, that book of gold of wonders many and manifold." In seinem „Tales of a Wayside Inn" wird die Geschichte von R. Josua ben. Levi und dem Todesengel erzählt. Ebenso zeigt Longfellow in seiner Erzählung „Village School" Vertrautheit mit jüdischer Lehre und Sitte. Wenn er den Satz zitiert „biblischesWissen istWasser, aber die Mrschna ist starker Wein" und Kenntnis davon hat, daß man am Purimfeste sich derart betrinken soll, daß man nicht mehr den Unterschied zwischen „Haman sei verflucht" und „Mordechai sei gesegnet" wisse, so setzt das schon eine intimere Bekanntschaft mit jüdischem Wesen voraus. — Rabbiner L e v i n g e r schreibt über das vielbehandelte Thema „Toleranz und Intoleranz" unter steter Berücksichtigung amerikanischer Verhältnisse. Das psychologische Moment findet in dieser Studie eine ebenso liebevolle Behandlung wie das historische. — Rev. John W. II e r r i n g veröffentlicht unter dem Titel „Der prophetische Geist ist nicht tot in Israel" seine ungemein günstigen Eindrücke über den Verlauf einer Tagung des Reformjudentums in St. Louis, der er als Gast beiwohnte. Rev. Herring ist der unermüdliche Leiter mehrerer Organisationen, die es sich zur Aufgabe machen, Vorurteile zwischen Christen und Juden zu bekämpfen und dies im engen Zusammenwirken mit der Anti-Defamation League unseres Ordens in Chicago. — Daran schließen Bilder aus der amerikanischen Gesellschaft und eine kurze Schilderung der Festtage anläßlich des 75. Geburtstages unseres hochwürdigen Ordenspräsidenten in Bild und Wort. — Der reichhaltigen Bücherecke folgt die bemerkenswerte Entgegnung des Schriftstellers Maurice Samuel auf die scharfe und ungünstige Kritik seines Aufsehen erregenden Buches ,,You Gentiles" („Ihr Nichtjuden"). Diese Erwiderung ist unter dem Titel „You Critics of ,You Gentiles'" in einer Reihe von jüdischen Zeitschriften erschienen. Da sich M. Samuel besonders mit der Besprechung, die Dr. Joel Blau seinem Buche in B. B.-Magazine (Dezemberheft 1924) widmet, beschäftigt, veröffentlicht das amerikanische Ordensorgan jene Stellen aus der Replik, die sich auf Blaus Artikel beziehen. Nicht nur der Umstand, daß die Sache viel Staub aufgewirbelt hat, sondern auch prinzipielle Gründe lassen es angezeigt erscheinen, die beiden Gegner auch an dieser Stelle zu Worte kommen zu lassen. Den Kern der Ausführungen Samuels in seinem Buche „You Gentiles" (Harcourt, Brace and Company 1924) bildet, wie Joel Blau im Dezemberheft 1924 des B.B.-Magazines schreibt, ein künst-