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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 176 (sequence 24)
Language
German
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bei der Arbeit mit, spielte mit den Buben und schnappte so bald eine Menge englischer Kenntnisse auf. Während dieser Zeit stand ich im Briefwechsel mit meinem Bruder Markus. Ich ließ mich niemals auf Details ein, welche Fortschritte ich machte, sondern ich erweckte den Eindruck, daß es mit mir vorwärts ging. Markus war ein guter Sohn und Bruder. Eines Tages bekam ich eine Einladung zu seiner Hochzeit, welche in New Häven, Connecticut, stattfinden sollte. Der Brautvater war ein Großhändler. Beim Hochzeitsmahle floß der Wein reichlich. Ich war damals 16 Jahre alt. Beim Hochzeitsdiner wurde ein Toast auf das Brautpaar ausgebracht. Natürlich standen alle auf und tranken. Da ich an Wein nicht gewöhnt war, nahm ich nur einen kleinen Schluck aus einem Glase. Mein Tischnachbar beobachtete mich, sah meine Jugend und dachte sich, hier könne man sich einen guten Scherz machen. Er sagte: „Sie müssen das Glas austrinken, das ist so Sitte bei Hochzeiten, daß muß jeder so tun." Ich wünschte nicht gegen solche Gebräuche zu verstoßen und gehorchte. Der nächste Trinkspruch galt der anwesenden Brautmutter. Wieder sagte mein Tischnachbar: „Sie müssen austrinken." Wieder gehorchte ich. Dann kam ein Toast auf die Mutter des Bräutigams. Diesmal brauchte man mich nicht zu drängen, ich trank und leerte das Glas bis auf den letzten Tropfen. Als es einmal so weit war, kümmerte ich mich nicht weiter, wessen Gesundheit man ausbrachte und wie viele man hochleben ließ — ich trank jedesmal mein Glas leer. Ich fühlte mich herrlich. Die Hochzeit fand im Jänner statt: als das Mahl vorüber war. erfolgte der allgemeine Aufbruch. Als ich auf die Straße trat, schien es mir, daß die Häuser alle ganz schief standen, und dann lag ich auch schon auf dem Trottoir. Ein Bruder der Braut klaubte mich auf — ich erfuhr das erst nachher — lud mich auf einen Wagen, schaffte mich heim und legte mich ins Bett. Mir war nachher, sehr übel. Dies war das erste und letzte Mal in meinem Leben, wo ich betrunken war. Diese einzige Erfahrung genügte, um mich vom Trinken abzuschrecken und von dieser Nacht an, bis in mein jetziges hohes Alter, habe ich nie mehr als ein oder zwei Gläser Wein trinken können. Markus ließ sich mit seinem jungen Weibe in Springfield, Massachusetts, nieder. Ich blieb in New Häven, wo ich einen Posten in einer Pappschachtelfabrik fand und fünf Dollar wöchentlich bei zehn Stunden Arbeit im Tag erhielt: ungefähr zwei Dollar wöchentlich verdiente ich für Überstunden. Im nächsten Herbste wurde die Fabrik gerichtlich gesperrt und ich stand wieder ohne Arbeit da. Es war mir nicht möglich, einen anderen Posten zu finden, und meine Ersparnisse verschwanden rasch. Ich sagte der Wirtin des deutschen Boarding House, wo ich wohnte, daß ich kündigen müsse, da ich kein Geld mehr besitze und ohne Posten sei. Sie schlug mir großmütig vor, den Winter über bei ihr zu bleiben und tröstete mich, im Frühling würde ich sicher etwas finden und dann könnte ich meine Schulden zurückzahlen. Ich dankte ihr, erklärte aber, ich könne ihr Anerbieten nicht annehmen, ich hätte sonst ein Jahr lang an der Schuld zu zahlen. Ich schnürte meine paar Kleidungsstücke in ein kleines Bündel, nahm das Bündel auf den Rücken und verließ zu Fuß New Häven, um in irgend

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