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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 175 (sequence 23)
Language
German
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175 Die Wirkung dieser letzten Bemerkung auf meinen Onkel war eine solche, daß ich es für klug hielt, diesen Ort so schnell als möglich zu verlassen. Mehr als 15 Jahre vergingen, bevor wir uns wiedersahen, — diese spätere Zusammenkunft war freundlicher. Tags darauf besuchte ich meine Tante, eine Schwester meines Vaters. Sie empfing mich sehr herzlich und lud mich zum Mittagessen ein. Sie hatte keine Kinder, dagegen einen Lieblingshund. Ihr Mann besaß einen großen Geschäftsladen in dem volkreichen Distrikt an der East Side, wo er 60 oder noch mehr Singermaschinen stehen hatte, mit denen Anzüge für Großhändler angefertigt wurden. Hinter dem Laden war ein großer Wohnraum, der gleichzeitig auch als Küche, Schlafzimmer und Empfangszimmer diente. Meine Tante fragte mich, was ich zu tun gedenke. Ich erwiderte: ,Jch weiß es nicht, ich suche Arbeit." Sie sagte mir, wenn ich zur Essenszeit vorüber käme, sollte ich doch hinkommen und mit ihnen essen. Ich dankte ihr. sagte ihr aber: „am notwendigsten brauche ich eine Stätte zum Schlafen." „Könntest du mir nicht erlauben, das Kanapee über Nacht in den Laden zu stellen und darauf zu schlafen." „Wie kann ich das", erwiderte sie, „wo soll dann mein Hund schlafen?" Daraufhin ließ ich mich in keine weitere Debatte ein und empfahl mich sofort und viele Jahre vergingen, bevor ich sie wiedersah. Als dies dann geschah, war ihr Gatte gestorben, sie lebte in mißlichen Verhältnissen und hatte um Aufnahme in ein Versorgungsheim für alte Leute angesucht. Das Heim war bereit, sie aufzunehmen, falls sie fünfhundert Dollar erlegen würde. Sie besaß diesen Betrag nicht und so bezahlte ich ihn für sie. Ich fand schließlich Arbeit bei einem deutschen Zigarrenerzeuger, der es übernahm, mich im Zigarrenmachen zu unterweisen. Ich bekam freie Verpflegung, einen Strohsack zum Schlafen und sechs „Smokers" zu Ende der Woche. Zuerst hatte ich Tabak in Streifen zu schneiden. Das war leicht und ich lernte es schnell. Dann wurde ich unterwiesen, die Füllung zu machen, und auch das gelang mir gut. Schließlich vertraute mir mein Lehrherr das Einrollen in die Deckblätter an. Ich gab mir redlichste Mühe, damit zustande zu kommen, mit dem Resultat, daß ich eine beträchtliche Anzahl Deckblätter verdarb, ein Schaden, den sich mein Lehrherr nicht gut leisten konnte. Schließlich ging ihm die Geduld aus. Er sagte: „Adolf, es tut mir leid, aber du hast nicht genug Gehirn im Kopf, um ein guter Zigarrenmacher zu werden. Geh'1 und lerne was Leichteres." So endete meine Karriere als Zigarrenmacher. Man riet mir dann, als Hausierer aufs Land zu gehen, wo ich gezwungen sein würde, englisch zu sprechen. Ich hatte noch immer eines von den zwei Zehndollarstücken in Gold, die ich aus Europa mitgebracht hatte. Ich investierte sie in Yankee-Kram waren und begann meine erste Tour als Hausierer in Connecticut. Ich war ein noch miserablerer Hausierer als Zigarrenmacher, wahrscheinlich deshalb, weil es mir sehr zuwider war und ich nicht mit dem Herzen dabei war. Die Farmer, mit denen ich auf diesem Trip in Berührung kam, waren sehr gastfreundlich. Manchmal blieb ich tagelang auf einer Farm, half

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