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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 173 (sequence 21)
Language
German
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173 ergreifen. Die reichen Leute sorgten dafür« daß ihre Söhne dem Militärdienste entgingen, indem sie die Regimentsärzte bestachen, welche gegen eine genügende Aufmerksamkeit den jungen Mann für „untauglich" erklärten. Meine Mutter hielt Bestechung für eine Sünde. Ich weiß nicht, ob sie diese Sünde begangen hätte oder nicht. Mutterliebe ist stärker als das Gesetz. Vielleicht kommt sie über eine solche Sünde hinweg. Jedenfalls aber hatte sie nicht das nötige Geld und so mußte ihr Sohn die alte Heimat verlassen und eine neue suchen — in Amerika. Mein Paß aber lautete nicht für Amerika. Er war für Deutschland ausgestellt, und zwar für einen Besuch. Ohne Paß hätte ich nicht die Grenze überschreiten dürfen. Hätte meine Mutter ein oder zwei Jahre gewartet, so wäre ich so nahe an das militärpflichtige Alter herangekommen, daß mir die Regierung keinen Paß ausgestellt hätte und ein Paß nach Amerika wäre mir selbst damals schon verweigert worden. Deshalb suchte sie um einen Paß für eine Reise nach Deutschland an und dieser wurde bewilligt. Sobald ich einmal nach Deutschland gekommen war, brauchte ich weiter keinen Paß mehr, um von dort nach Amerika zu gelangen. Der Zug, mit dem ich meine Reise nach Amerika begann, ging von Rokycan um 1 Uhr früh ab. Meine Mutter und meine Großmutter begleiteten mich zur Station und als der Zug in Sicht kam, gäbe i mir beide ihren Segen. Die letzten Worte, die meine Mutter zu mir sprach, waren: „Sei brav, mein Sohn, bring keine Schande über mein Haus." Als der Zug abfuhr, sah ich, wie meine Mutter der Großmutter in die Arme sank. Ich versuchte aus dem Zuge herauszukommen, was mir aber nicht gelang, da das Abteil zugesperrt war. In Bremen schiffte ich mich nach Amerika ein. Die Überfahrt dauerte 21 Tage und war sehr stürmisch, ausgenommen am ersten Tage. Abgesehen von dem andauernden Sturm und der Unbehaglichkeit. Furcht und Seekrankheit, die er verursachte, war der einzige Zwischenfall, an den ich mich erinnere, die Aufnahme von Passagieren und Matrosen eines schiffbrüchigen Segelschiffes, das nach New York unterwegs war, an Bord unseres Schiffes. Als der Dampfer, auf dem ich nach Amerika fuhr, in New York anlangte, konnten die Kabinenpassagiere natürlich zuerst das Schiff verlassen, während die Zwischendeckpassagiere, zu denen ich zählte, eine Zeitlang warten mußten. Als wir so warteten, bis an uns die Reihe kam, ruderte ein Hausierer in einem Kahn an den Dampfer heran und bot uns Pasteten zum Kauf an. Diese Pasteten waren für die Zwischendeckpassagiere eine große Verlockung, denn während der 21 Tage der Überfahrt hatte es nur Salzfleisch, Hering und Kartoffeln zum Essen gegeben, keine Pastete oder ähnliche Delikatesse stand auf dem Menü. Der Hausierer band einen Korb an ein Ende eines Seiles und warf das andere Ende einem Passagiere zu. Einer nach dem anderen holten wir den Korb herauf, legten den Preis für eine Pastete hinein, ließen ihn dem Hausierer hinunter, der das Geld herausnahm und die Pastete hineinlegte, die der Passagier dann hinaufzog. Der Hausierer, ein Deutscher, verkaufte bald alle seine Pasteten. Ich war der stolze Besitzer von zwei Zehndollarstücken in Gold, — das war

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