Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 171

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 171 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9598139-9598306--0811-9598325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

171 Sozialismus ist eine solche Kraft, und der Zionismus gibt der Jugend eine Begeisterungsfähigkeit. daran zu arbeiten, daß ein vor 2000 Jahren verlassenes Land wieder urbar gemacht werde. Aber was sollen w i r der Jugend geben? Wir B. B. haben mit Wohlwollen und Freude alles das zu betrachten, was den Menschen idealisiert. Das Judentum hat in dieser Richtung große Werke geschaffen. Was unserer Jugend fehlt, soll ihr der Orden geben, Begeisterung zur rechten Zeit und nicht Abgeklärtheit zur unrechten Zeit. Trachten wir, unseren Kindern die Jugend zu erhalten und es wind dann nicht heißen: „Weh dir, daß du ein Enkel bist," sondern „Wohl dir, daß du ein Enkel bist." Br. Expräs. Prof. Dr. Emil Hof mann („Philanthropia") führt unter anderem aus: Huldigen alle bei der Erziehung ihrer Kinder dem Grundsatze „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben als wir", so schließen sie diamit ihre Kinder vom Kampfe ab, oder versuchen es wenigstens. Das ist ein Unglück, denn die Jugend soll frühzeitig gestählt werden, sich im Kampfe zu üben und im Kampfe ihre Kräfte zu erproben. Da wir aber das Problem der Erziehung der Jugend zum Ordensgedanken nicht bloß theoretisch erörtern sollen, sondern den Brudertag nicht ohne positive Anregungen verlassen wollen, sind Vorschläge vonnöten. Redner schlägt vor, die Jugend zu organisieren, um sie so für den Orden zu erziehen. Für die Jugendorden möge eine Art Jugendrituale ausgearbeitet werden. Die sogenannte' zweite Jugend im Alter von 14 bis 18 Jahren soll logenmäßig in einem Jugendorden organisiert werden, die Logenorganisation, die unter der Patronanz der Großloge steht, soll im Sinne unserer Logen arbeiten. Br. Dr. Sei de mann („Freundschaft") befürchtet, daß wir die bewußt-jüdische Jugend nicht in den Orden hineinbekommen, weil ihr der Orden nicht genügt. Es ist heute in dieser jüdischen Jugend so, daß einer, der in den Orden B. B. eintritt, als verlorener gilt. Der Orden soll doch der Hort sein, wo jene Menschen, die aus der jüdischen Jugendbewegung kommen, im Zusammenschluß mit anderen ihren nunmehr geläuterten Ideen Gestalt geben können. Wir müssen der. Jugend den Weg frei machen, zu uns zu kommen und die Jugend muß im Orden die Fortsetzung ihrer Ideale finden. Die Frage der Zukunft der jüdischen Jugend ist auch eine Frage der Zukunft des Ordens. Wir müssen der jüdischen Jugend, die jüdisch bleiben will, helfen, und diese jüdische Jugend wollen wir nicht verlieren. Br. 0 hotzen aus Breslau verweist darauf, daß auch in Deutschland in die jüdischen Jugendvereine der Zankapfel der Politik hineingeworfen wurde, weil die Orthodoxen mit den Liberalen herumstritten. Aber es ist gut, daß die Jugend kämpft, denn nur durch Kämpfe entstehen Gegensätze, und an diesen soll sich die Jugend stählen und nicht schwelgerisch ihre Kräfte vergeuden. Da nun die Rednerliste erschöpft war, schloß der s. w. Br. Großpräsident die Tagung, indem er in seinem Schlußworte feststellte, daß sich unser Prinzip. Diskussionen mit brüderlichem Wohlwollen zu führen, bewährt habe. Gerade in der Klärung der Meinungen liege das wesentlichste Ziel der Beratungen unseres Ordens. Schließlich sprach der s. w. Großpräsident seinen Dank den Br. Referenten und der w. Loge ..Karlsbad" für die Veranstaltung des Brudertages aus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.