B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 170 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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170 sittlicher Mensch sei. Ein bewußt guter Jude ist derjenige, dem das Judentum nicht Mittel, sondern Zweck ist und ein bewußt sittlicher Mensch ist derjenige, dem die Sittlichkeit nicht Mittel, sondern Zweck ist. Ein bewußt guter Jude muß ein bewußt sittlicher Mensch sein. Das sittliche Moment ist aus dem Judentum heraus durch die sinaitischen Gebote dem Volke gegeben worden. Das Judentum ist durch sich selbst eine sittliche Religion geworden. Sittlichkeit muß an sich dastehen, vollständig allein. Damit haben wir auch schon den Standpunkt gewonnen, von welchem aus wir über die Einflußnahme unseres Ordens auf unsere Jugend sprechen dürfen. Der Weg heißt: „Mein Kind soll ein guter Jude sein." In dem Gedanken des B. B. habe ich mich selbst dazu au erziehen; das ist aber kein leichtes Unterfangen. Unser Kind lebt ja nicht mit uns allein, sondern in einer gewaltigen Umwelt, die ajüdisch ist von allem Anfang an. Je älter mein Kind wird, umsomehr kommt verblümt oder unverblümt aus der Mitte der Lehrer, der Mitschüler, der ganzen Umwelt zum ajüdischen Moment noch das antijüdische. Der Widerspruch der jüdischen Psyche wird geweckt durch das Antijüdische; durch das Ajüdische wird das Kind in Ideen hineingeraten, die es vom Judentum abbringen. So lange das ajüdische Milieu vorherrscht, muß ich bemüht sein, es irgendwie zu paralysieren, das kann ich nur durch das jüdische Moment in mir selbst, durch mein Beispiel. Nur das, was ein Kind vor sich sieht, von Vater und Mutter, wirkt dauernd. Wenn ich mein Kind nun so erziehe, daß es sowohl nach der Seite des Judentums, wie auch nach der Seite der allgemeinen Sittlichkeit einen guten Juden vor sich sieht, dann erziehe ich es zum bewußt guten Nachfolger meiner Person in B. B. Der Orden kann aber nicht Kinder erziehen mit leeren Worten. Man erzieht ein Kind mit der Tat und die Tat fehlt. Aber noch ein Moment ist in Betracht zu ziehen. Wir haben heute unleugbar schon einen Teil unserer Jugend, die bewußt gute Juden sind. Unter dieser Jugend aber herrscht Streit und Zank. Ich habe keine Sorge, wenn die bewußt-jüdische Jugend sich gegenseitig bekämpft. Das schadet uns gar nicht, wenn wir uns nur sagen, wir halten die Fahne des bewußten Judentums hoch. Wird unsere Jugend ihren Kampf zu Ende geführt haben, dann wird aus dieser Jugend, die gekämpft hat, das bewußt gute Judentum unseres Ordens. Die Debatte. In die Debatte greift sodann der s. w. Großpräsident des österreichischen Distriktes Hofrat Prof. Dr. E h r m a n n ein. Er dankt zunächst für die freundlichen Worte der Begrüßung und stellt sich zum Thema der Diskussion übergehend bezüglich der Erziehung der Kinder bis zu ihrem Pubertätsalter an die Seite des Br. Referenten. Darüber hinaus müssen wir das Objekt der Erziehung vor Augen halten. Biologisch ist ein Mensch, wenn er in das Pubertätszeitalter eintritt, ein Individuum mit überschüssiger Kraft. In dieser kraftstrotzenden Zeit verlangt die Jugend Ideale, für die sie sich begeistern kann. Was sollen wir der Jugend geben? Ethik? Gewiß, aber Ethik verlangt Entbehrung. Entsagung und Arbeit an sich. Sie gibt dann im Alter innere Befriedigung, aber Begeisterung können wir davon nicht erwarten. Der Jugend muß man etwas geben, daß sie ihre Kraft daran verwenden kann. Der