Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 169

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 169 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9598139-9598306--0809-9598323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

169 lisinus bezeichnen. Die Erziehung zu diesem Bildungsideale hat zur Voraussetzung das vollständige Verstehen der Persönlichkeit. Wir müssen uns diese Eigenschaft erst angeeignet haben, wenn wir erziehend auf andere einwirken wollen. Die Verwirklichung des sittlichen Ideales ist gebunden an sittliche Freiheit im Sinne der Lauterkeit unseres Fühlens. Die sittliche Freiheit muß sich bewähren mit der Kraft und dem Mut, mit dem wir auf die Erfüllung unserer liebsten Wünsche verzichten, wenn sie dem sittlichen Wollen entgegenstehen. Opfermut und Selbstverleugnung. Selbstbeherrschung und Energie werden dadurch geradezu öthische (Jäter. Aber die Durchführung des sittlichen Wollens fordert noch mehr, als die Erziehung dieser Willenskräfte. Dieser Wille muß im Dienste eines sittlichen Charakters stehen, Ein solcher sittlicher Charakter wird sich dadurch bewähren, daß er seiner Lebensführung ein harmonisches Gepräge gibt, in dem alle seine Ziele sich fest zusammenschließen zum sittlichen Ziele. Die Erziehung zu unserem Bildungsideale hat in der Jugendzeit einzusetzen. In der Jugend müssen die sittlichen Ideale eingeprägt und ihrem Wollen der richtige Weg gewiesen werden. Wir müssen dem ganzen Unterrichtsstoff als höchsten Gesichtspunkt den geben, daß aus ihm nicht sittliche Gefährdung erwachse. Darum muß alle Erziehung an das Wollen der Kinder richtig abzielen, indem sie an Gehorsam und Disziplin gewöhnt, doch soll die Kinder kein sklavischer Gehorsam, noch Furcht vor Strafe bestimmen, sondern es muß alles aus der Gesinnung, die das Gute um seiner selbst willen will, abgeleitet werden. Die primitiven Motive im Kinde müssen gesteigert werden, um eine gewisse Einsicht in das Wesen des Sittlichen zu erzeugen. Wir müssen die Kinder zum selbständigen Wertschätzen des Guten führen, sie sollen sich gewöhnen, das Wesen der Dinge zu suchen und dann die Konsequenz aus ihrer Deiukungsart zu ziehen. Der Sieg über uns selbst und unsere Leidenschaften muß den Kindern vor Augen geführt werden. Übung und Gewöhnung hat beim Kinde unablässig das Beste zu leisten. An Verzichten und Ertragen müssen die Kinder bald gewöhnt werden. Das letzte Ziel ist, die Menschheit zu der sittlichen Freiheit zu führen, sich selbst die Gesetze des Wollens zu geben. So erwächst unserer Jugenderziehung die Pflicht, die Kinder daran zu gewöhnen, daß sie sich gegebenen Gesetzen fügen. Mit zunehmender Reife tritt die Verpflichtung ein, der Erziehung eine logische Richtung zu geben. Der vernünftige Mensch soll wissen und begreifen, was er tun und lassen soll. Er muß das Ziel des Lebens verstehen. Die Aufgabe der Erziehung muß darin bestehen, echte und ganze Menschen heranzubilden, sie ziu selbständigen Persönlichkeiten zu erheben. Unsere Kinder müssen willig werden, sich mit Bewußtsein und Begeisterung in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Dadurch werden wir unsere Jugend fähig machen, mitzuarbeiten an der Herstellung einer wahrhaft menschlichen und sittlichen Weltordniung. Das Korreferat zu dem Thema erstattet Br. Expräs. Dr. J. Z i e g- 1 e r („Karlsbad"). Er geht zurück auf die Grundidee des Ordens, wie sie in dem Satze des Rituales, den geistigen Charakter unseres Stammes zu pflegen, vorgeschrieben ist. Der Orden will, führt Br. Korreferent au--, daß jedes seiner Mitglieder ein bewußt guter Jude und ein bewußt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.