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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 168 (sequence 16)
Language
German
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168 Der Pazifismus ist in seiner realen Tätigkeit immer wieder bestrebt, allen zu dienen und alle Klassen zu umfassen. Die Grundsätze und Ziele des Pazifismus sind auch die Ziele unseres Ordens. Achtungvor der Überzeugung des Nächsten, kein Aufzwingen seiner Überzeugung einem anderen gegenüber und daher auch keine Majoritätsbeschlüsse in Dingen, die die religiöse und nationale Überzeugung betreffen. Eintracht und brüderliches Wohlwollen schafft auch bei uns die mittlere Linie, auf welcher sich Brüder zu begegnen haben. Es sind dieselben sittlichen Forderungen, die gerichtet sind auf gemeinsame Arbeit, Zusammenschluß und Berücksichtigung des Wohles des Ganzen, auf gegenseitige Hilfe. Liebe und Menschlichkeit. Das Judentum, erklärt Br. Referent im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen, enthält die höchsten Ideale des Menschengeschlechtes: Menschenrecht und Gerechtigkeit. Auch den Juden ihre vollen Menschenrechte wiederzugeben, jedem Einzelnen den Platz an der Sonne zu verschaffen, den er verdient, ist das Ziel des Friedensgedankens. Darum ist das Judentum, soweit es den Inhalt der Ordensidee betrifft, auch Inhalt des Friedensgedankens. Diese« Recht nicht zur Geltung kommen zu lassen, bedeutet eine Verletzung der höchsten Ideale des Menschengeschlechtes. Der Unterschied zwischen beiden ist nur unsere jüdische Exklusivittä. Er liegt nicht im Wesen der Idee, sondern in den Trägern der Idee, er liegt in uns. also dort, wo wir Subjekt und Objekt zugleich sind. Die erste praktische Forderung ist die, jeder Aktion im Sinne des Friedensgedankens unsere volle Aufmerksamkeit zu .schenken, und die zweite ist die Fühlungnahme mit anderen ähnlichen Organisationen. Der erste Schritt ist gegenseitige Information. Wieweit eine gemeinsame Arbeit dann möglich ist und welche Wege enzuschlagen wären, darüber zu sprechen ist heute zu früh. Wo es möglich ist und erwünscht, können wir unsere Logen anhalten. Sorge zu tragen für die Kräftigung einer solchen Bewegung-. Das Ergebnis wird dann sein, daß wir teilnehmen an der Zusammenfassung aller schöpferischen und sittlichen Kräfte der Menschen, die nach Höherem streben. Der Weg führt zur Zurückdrängung der reaktionären Kräfte der Menschheit, welche sich dem wahren Glücke der Menschen entgegenstellen. Nachdem der s. w. Großpräsident dem Br. Referenten gedankt hatte, hielt Expräs. Br. Dr. Otto Heller („Bohemia") sein Referat über ..D i e Erziehung unserer Jugend im Sinnedes Ordensg e da n k e ns'\ Eis ist fraglos, führte er aus. daß unser gegenwärtiges Leben, das aus der Antike und dem Mittelalter hervorgeht und durch die mechanische Naturbetrachtung angeregt ist, dais Wesen der modernen Zeit ausmacht und daß dieses Leben in den ersten ethischen Anfängen steht. Wenn das geistige Niveau der Menschheit so geringe Fortschritte gemacht hat, so liegt der hauptsächlichste Grund dafür in der mangelhaften, falschen Erziehung. WTelches ist nun das Bildungsideal, das wir als Ordensmitglieder anzustreben haben? Der § 1 unserer Statuten sowie die lapidaren Worte unseres Einführungsrituales, mitzuarbeiten an der geistigen und sittlichen Vervollkommnung der Menschheit, geben uns die eindeutige und über jeden Zweifel erhabene Gewißheit über die Tendenzen unseres Ordens. Diese decken sich vollständig mit den Forderungen jener sittlichen Lebensanschiauung, die wir als sittlichen Idea-

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