B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 167 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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167 gefunden werden mögen, noclh zu unseren Lebzeiten den Tag herbeizuführen, an dem „die Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden'' und der Friede unbeschränkt auf Erden herrschen möge. „Die Kriege und ihre Folgen", heißt es in diesem Telegramme weiter, „haben die Juden aller Länder schwerer als die Andersgläubigen bedrückt. Gemeinsam mit den Anhängern anderer Glaubensbekenntnisse haben sie alles für die Länder hingegeben, unter deren Flagge sie leben. Vaterlandsliebe, Heldentum. Opferwilligkeit, Treue und Hingebung sind für die jüdischen Bürger jedes Landes in demselben Maße kennzeichnend gewesen, wie für die andersgläubige Bevölkerung. Die vergiftenden Nachwirkungen des Krieges aber, Elend, Haß, Neid, Mord und Lüge, die er im Gefolge hatte, haben sie in weit höherem Maße heimgesucht. Eine Gemeinschaft mit einem solchen historischen Hintergrunde hat eine lang zurückreichende Erinnerung, sie hat Jahrhunderte hindurch mit Inbrunst für das Heraufdämmern des Tages gebetet, für den die gegenwärtige Konferenz eine Vorbedeutung zu sein scheint. Gott sei mit Ihnen bei Ihren Beratungen." Die Referate. Das Referat über das Thema „0 r d e n und Friedensg e d a n k e" erstattete Br. Expräs. Dr. Adolf Bischitzky („Praga"). Er charakterisiert den Pazifismus als das Bestreben, Gegensätze unter den Menschen, wie sie im Laufe der Entwicklung der Menschheit entstehen mußten, wohl nicht zu beseitigen, sie aber doch auf ganz bestimmte menschenwürdige Art ratenweise zu überbrücken, um die Beteiligten dann — und das ist die izweite Forderung des Pazifismus — zu gemeinsamer, auf das Ganze gerichteter Arbeit zusammenzuführen. Diese Forderungen haben den Pazifismus aus der bloßen Ideologie früherer Zeiten zu einem realen Faktor gemacht. Gerecht und duldsam zu sein gegen die Äußerungen des Innenlebens des einzelnen Menschen, ist der erste Grundsatz des Pazifismus, Niemals verbietet er, sich für seine Anschauungen einzusetzen, oder andere zu seiner Überzeugung zu bringen. Also auch die Diskussion ist möglich, sie ist sogar erwünscht vom Standpunkte des Rechtes freier Meinungsäußerung, der Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Nur das Aufzwingen und die Anwendung unerlaubter Mittel steht mit den Grundsätzen des Pazifismus im Widerspruche. Wenn die Macht eines Staates die Angehörigen einer Nation gegen andere zurücksetzt, so ist das ein Zwang und jede Zurücksetzung oder gar Verfolgung wegen einer rein privaten Überzeugung steht mit dem Pazifismus im schärfsten Widerspruche. Daher gehört auch die Bekämpfung des Antisemitismus in das Gebiet des Pazifismus. Auf dem Gebiete der Lebensbetätigung der Menschen, auf welchem die Gegensätze scharf aufeinanderstoßen, ist Grundsatz des Pazifismus, diese Gegensätze so zu überbrücken, daß beide Parteien mit Hilfe von Selbstbeschränkung, Selbstbeherrschung und Selbstverleugnung von ihren Wünschen so lange nachgeben, bis sie sich begegnen, um dann ihre Kräfte zu gemeinsamem Schaffen zu verwenden. Diese mittlere Linie ist die pazifistische Vorschrift, Das weitere Ziel.des Pazifismus ist dann der Zusammenschluß der Menschen. Wir kommen damit in das Gebiet der Vergesellschaftung der Menschen.