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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 165 (sequence 13)
Language
German
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165 zu Jiiidenlhetzen. sondern auch zu erbitterten Kämpfen der damals waffengeübten Juden gegen die Griechen. Von diesem bis zur Siedehitze gesteigerten Hasse künden die alexandrinischen Martyrien oder Märtyrerakte, eine der wichtigsten Quellen für den alexandrinischen Antisemitismus. Als einer der gefeiertesten Märtyrer für die griechisch - nationale Sache gilt Dionysius. Dieser mußte sich nach einer der ungezählten Judenhetzen vor dem Kaiser Claudius, den er einst als Sprecher in der Huldigungsgesandtschaft der Alexandriner zu seinem Regeirungsantritt beglückwünscht hatte, gemeinsam mit anderen Gymnasiarchen, die die Hauptvertreter der nationalen Sache und die Seele der Judenverfolgungen waren, als Angeklagter verteidigen. Sobald sie die Erfolglosigkeit ihrer Verteidigung eingesehen hatten und ihrer Verurteilung gewiß waren, ergingen sie sich in wilden Schmähungen gegen den verhaßten Kaiser und wurden zur Hinrichtung geführt. Solche Ereignisse wirkten tief und so kam es während der ganzen römischen Kaiserzeit niemals zu einer Beilegung dieses haßerfüllten Verhältnisses zwischen Juden und Griechen in Alexandrien. Die Aufstände der Juden in Palästina gegen Rom werfen ihre Schatten auch nach Alexandrien, wo anläßlich eines Sieges der Aufständischen in Jerusalem jener traurige Fall sich ereignete, daß der seinem Volke abtrünnig gewordene Ti. Julius Alexander, ein Neffe Philo's. in seiner Eigenschaft als ägyptischer Statthalter (67—70 m Chr.) römische Truppen gegen die alexandrinischen Juden ausrücken ließ und der Urheber eines Judengemetzels wurde, dem 50.000 Juden im Delta-Bezirke zum Opfer gefallen sein sollen. Die weitere Gesichte der Juden in Alexandrien in der Kaiserzeit und christlich-ibyzantinischen Epoche bietet für die Entwicklung des Antisemitismus keine wesentlichen Punkte mehr. Der Kraftrichtung im Gestaltungsprozesse des Judentums folgend, nahmen auch die alexandrinischen Juden teil an dem Ausbau des religiösen Systems, das sich durch lange Zeit als eine ungemein kräftige Stütze für die jüdische Solidarität bewährte, bis im Zeitalter der Aufklärung diese Säule allmählich zu wanken begann und erst gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts, wo das religiöse System einen großen Teil seiner Tragkraft eingebüßt hatte, in der nationalen Einstellung eines Teiles der Judensehaft seine Ergänzung oder auch völlige Vertretung fand. Aber der nationale Geltungswille der Juden stößt auch auf dem Boden Palästinas auf eine stets wachsende Abwehrbewegung der dort ansässigen Bevölkerung, deren ohnedies schon bestehende Abneigung gegen die Juden sich durch die politischen Verhältnisse steigert und an den einstigen politischen Antisemitismus Alexandriens erinnert. Ob es dem jungen Lebenskeim im Judentum gelingen wird, sich trotz dieses Antijudaismus auf palästinensischem Boden zu entwickeln, gehört mehr in das Gebiet des Glaubens als des Wissens. Wohl aber wird 'das Weltgewissen, an dessen Ausbildung und Erstarkung mitzuarbeiten Pflicht jedes sittlich Denkenden und eine der vornehmsten Aufgaben unseres Ordens ist, dafür zu sorgen haben, daß sich die alexandrinischen Zeiten mit ihren Judenhetzen und Judenmetzeleien nicht mehr wiederholen — weder auf heiligem noch auf profanem Boden.

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