B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 164 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Auch die Juden Alexandriens, die sich darauf beriefen« daß sie von Alexander dem Großen unter gleichen Rechten rri den Griechen angesiedelt worden seien, forderten für sich die Vollbürgerschaft, deren sich nur die Angehörigen der griechischen Nationalität erfreuten. Da nur die im Gymnasion Erzogenen einer Ephebie angehören konnten und der Besuch des Gymnasions den Juden im allgemeinen schon deshalb versagt bleiben mußte, weil bei ihnen das Verbot der Entblößung bestand, so genügte dieser Grund schon, um die ohnedies Verhaßten von den Rechten der Vollbürger auszuschließen. Aus den Stellen des kaiserlichen Briefes, die sich auf die Unruhen in Alexandrien während der Regierung des Caligula beziehen und auf den inneren Krieg zwischen Juden und Griechen nach dessen Ermordung, geht hervor, daß sich Claudius über diese Ereignisse von den alexandrinisehen Gesandten berichten ließ. Der kaiserliche Brief richtet an beide Parteien die ernste Mahnung, sich zu vertragen und Frieden zu halten. Hierauf wendet sich der kaiserliche Brief direkt an die Juden. Er ermahnt sie, sich mit dem Erreichten zu begnügen und innerhalb ihrer Schranken zu bleiben. Das Recht der freien Ausübung ihrer Religion soll ihnen auch für die Zukunft gesetzlich zugesichert sein. ..Er warnt sie — ich folge der Inhaltsangabe Prof. Stein's — in falschem Ehrgeize Einrichtungen der Griechen nachzuahmen, die den Griechen eigentümlichen Wettkämpfe und Spiele feiern oder an ihnen teilnehmen zu wollen.*) Sie möchten es sich doch zu schätzen wissen, daß sie, die dank ihrer durch Tradition und Umwelt geschärften Begabung dafür besonders befähigt waren, die großen wirtschaftlichen Vorteile genießen könnten, die ihnen das Leben in einer so reichen Handelsstadt biete. Statt sich der Begünstigungen wirtschaftlicher und finanzieller Art, die auch den Juden zugute kämen, zu erfreuen, seien die, alexandrinisehen Juden zu Unruhen und Streitigkeiten bereit und geneigt, auch ihre Glaubensgenossen aus Ägypten und Palästina herbeizurufen. Sollte diese wohlgemeinte Mahnung nicht Einkehr und Besserung zur Folge haben, dann wende sein kaiserlicher Zorn sie zu treffen wissen und sie wie eine Geißel für die Menschheit behandeln." Nach diesen strengen Worten kommt ein beschwichtigender Schluß, wo beide Parteien der kaiserlichen Gnade versichert werden, wenn sie von nun an Frieden zu halten die ernste Absicht hätten. An der Hand dieses Briefes zeigt Stein, daß das von Josephus mitgeteilte Edikt des Claudius an die Juden kaum dem Wortlaute nach richtig wiedergegeben sein dürfte, vielmehr dürfte Josephus manches in einem den Juden günstigen Sinne abgeändert haben. Die Lage der Juden besserte sich zwar unter Claudius, auf den im Beginne seiner Regierung der Judenkönig Agrippa einen entscheidenden Einfluß ausübte, aber die in Alexandrien durch Haß vergiftete Atmosphäre auf griechischer und jüdischer Seite führte gerade wegen der Gunst, in der die Juden bei Claudius standen, nicht nur *) Trotz des Verbotes der Entblößung dürfte also doch in einem Teile der alexandrinisehen Judenschaft der Sport des Gymnasiums gepflegt worden sein.