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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 163 (sequence 11)
Language
German
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163 nisehe des Jahres 38, motiviert durch das mangelnde Hellenentum, dirigiert zugleich von der höchsten Behörde und dem niedrigen Pöbel, hat die ältere griechisch-römische Geschichte nicht aufzuweisen." Alle rohen Instinkte, die der Judenhaß entfesselt, wurden damals ebenso frei, wie es noch in unseren Tagen hie und da geschehen kann. Dazu hetzten noch antisemitische Volksredner m öffentlichen Versammlungen die Menge gegen die Juden auf. Um den Kaiser gegen die Juden zu stimmen, trugen die Alexandriner den Synagogen auf, den Kaiserkult einzuführen, der aber für die Juden in der Form der Divination unannehmbar war. Der römische Statthalter Flaccus, der die Juden als ,.Fremdlinge und Zugezogene1' bezeichnete, trat auf die Seite der alexandrinischen Antisemiten und so kam es zu dem im Altertum beispiellosen Judenprogrom. Die Geschichte von den beiden Gesandtschaften an Caligula, der jüdischen, an deren Spitze Philo stand, und der griechischen, deren Sprecher Apion war, die die Aufgabe hatten. Angelegenheiten der Stadt Alexandria dem Kaiser vorzutragen, ist hinlänglich bekannt. Die meisterhaft geschriebenen Bücher Philos ..Gegen Flaccus" und „die Gesandtschaft an Gaius" berichten über diese Ereignisse. Mit dem Regierungsantritte des Claudius wandte sich das Blatt zu Gunsten der Juden. Das von Josephus mitgeteilte kaiserliche Edikt gilt als Beweis dafür. An dieser Stelle setzen die Ergebnisse des neuen Papyrusfundes ein, von dem eingangs die Rede war. Auf Caligula, der am 24. Jänner 41 ermordert wurde, folgte Claudius. Bei seinem Regierungsantritte erscheinen Gesandtschaften aller Städte des römischen Reiches, um ihm zu huldigen. Auch Alexandria sendet ihre Vertreter und macht Vorschläge zur Ehrung des Monarchen in Form der Divination. Ein Teil des kaiserlichen Briefes beschäftigt sich mit diesen Ehrungen, unter welchen die göttliche Verehrung entschieden abgelehnt wrd. De alexandrinischen Gesandten gratulierten nicht nur im Namen der Stadt, sondern brachten auch staatsrechtliche Wünsche vor, die in der Bitte gipfelten, daß die kaiserlichen Privilegien nur für die Angehörigen der griechischen Nationalität in Alexandria gelten sollen. Zu dieser gehörten aber nur solche, die Epheben gew<-en waren, d. h. ihre griechische Erziehung im Gymnasium erhalten hatten. Dem Brennpunkt des geistigen Lebens der griechischen Jugend bildete das Gymnasion, dessen eLiter der Gymnasiarch war. Dort empfing der freigeborene Grieche seine körperliche und geistige Ausbildung. Der Gymnasiarch erfreute sich eines ganz besonderen Ansehens und war gewöhnlich zum Leiter einer politischen Gesandtschaft ausersehen. Der Ausdruck „Die vom Gymnasion" galt nur für die griechische Bevölkerung Alexandriens und schloß jeden anderen ans der bunt zusammengewürfelten Einwohnerschaft aus. Die Ephebien waren nationale Organisationen, die mit Eifer über die völkische Reinheit ihrer Mitglieder wachten. Alle Wünsche dieser Partei, die? sich auf die Gewährung neuer Privilegien beziehen, wie z. B. auf die Schaffung eines Senates, werden vom Kaiser oder von der kaiserlichen Kanzlei in diesem Briefe in konzilianter Form zurückgewiesen und nur die bereits bestehenden Privilegien bestätigt.

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