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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 162 (sequence 10)
Language
German
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162 hässigster Weise diese soziale Absonderung der Juden durch die völlig grundlose Verleumdung, daß er die Juden bei der alljährlichen Opferung eines Griechen schwören läßt, daß sie keinen Fremden, am allerwenigsten aber den Griechen, Wohlwollen bezeugen sollen. Derselbe Vorwurf des Menschenhasses wurde übrigens auch den Christen gemacht, wie aus Tac. Ann. XV, 44 zu ersehen ist. Josephus verweist in seiner Verteidigungsschrift einerseits auf die humanen Bestimmungen in der mosaischen Fremdengesetzgebung, anderseits legt er dar, daß das mosaische Gesetz bezüglich der Fremden weit humaner sei als die sonstige Gesetzgebung des Altertums. Im achten Punkte wendet sich Josephus, nachdem er die ernsten Anklagen der Gottlosigkeit und der sozialen Absonderung, die es den Juden unmöglich mache, als gleichberechtigte Glieder in eine geordnete Gesellschaft einzutreten, besprochen hat, besonderen Eigentümlichkeiten des jüdischen Gesetzes zu, über die sich die Gegner des Judentums nicht genug lustig machen konnten. Es sind dies die Beschneidung, das Verbot des Genusses von Schweinefleisch und die Sabbatheiligung. Josephus. der die Absicht hatte, in einer besonderen Schrift die Gründe der Besohneidung und der Speisegesetze zu untersuchen, begnügt sich damit, auf die edlen Absichten und die Vortrefflichkeit des mosaischen Gesetzes im allgemeinen hinzuweisen, woraus geschlossen werden kann, daß auch die von den Judengegnern verhöhnten Gebräuche im Dienste einer sittlichen Idee stehen müssen. Ebenso verfuhr Philo, der die Weisheit und Zweckmäßigkeit der sondenbaren jüdischen Zeremonialgesetze, über welche die griechisch-römische Welt die Schale ihres Spottes ausgoß, mit großem Eifer zu beweisen suchte. Tactus, der die Juden wie kein zweiter verachtet, ging sogar so weit, hinter der Circumcision eine raffinierte Unsittlichkeit zu wittern. Neben Philo und Josephus, den namhaftesten Wortführern der jüdischen Apologetik, gab es noch eine reiche Literatur im jüdischhellenistischen Zeitalter, die in diesem Sinne wirkte. Jene ganze Literatur, die Schürer „Jüdische Schriften unter heidnischer Maske" nennt und deren Zweck es ist, unter den Heiden für das Judentum Propaganda zu machen, enthält auch apologetische Elemente. Für den alexandrinischen Antisemitismus ist der berühmte Brief des Pseudo-Aristeas an Philokrates über die Entstehung der Septuaginta (etwa 200 v. Chr.) zu nennen. Der unbekannte Verfasser, der die Maske eines hohen Würdenträgers des Königs Ptolemeus EL Philadelphia annimmt, stimmt auf das Judentum und sein Gesetz ein begeistertes Loblied an, das nicht nur ein Mittel der Propaganda, sondern auch eine kräftige Abwehr gegen antisemische Angriffe sein sollte. Es ist nicht zu leugnen, daß der alexandrinische Judenhaß durch die politische Stellung der Juden, welche die Wegweiser der den Alexandrinern verhaßten römischen Universalmonarchie waren, wesentlich verschärft und durch die Gunst, in welcher sie bei Cäsar und Augustus standen, die griechisch-nationale romfeindliche Gesinnung der Sta Itbürgerschaft Alexandriens gereizt wurde. Als mit dem Regierungsantritte Caligulas sich der Wind gegen die Juden richtete, da kam es in Alexandrien 38 v. Chr. zu einer der grausamsten Judenverfolgungen, von der Mommsen sagt: „Eine Judenhetze, wie die alexandri-

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