B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 161 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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161 Juden. Dem für die Annahme verschiedenster Kulte schmiegsamen Hellenen war der Starrsinn des Hebräers in der Annahme fremder Kulte, ja sogar in der Pflege des Kaiserkultus unverständlich und der Grieche konnte sich eine solche Hartnäckigkeit nur dadurch erklären, daß er dem Juden die Gottlosigkeit als sittlichen Defekt zuschrieb. Josephus zeigt zunächst, wie die Gottesidee der Juden auch von den großen Philosophen der Griechen geahnt wurde und sucht den jüdischen Monotheismus philosophisch gebildeten Lesern begreiflich zu machen. Der großen Masse gegenüber führt er den bei dieser allein wirksamen indirekten Beweis für die Überlegenheit des jüdischen Gottesbegriffe-, indem er die mit ethischen Mängeln behafteten Gestalten der heidnischen Götter nach der alten Weise des Psalmisten ironisiert und zerpflückt. Damit im Zusammenhange macht er sich über den goldenen Eiseiskopf lustig, den die Juden in ihrem Tempel anbeten sollten, ebenso über die von Apion vorgebrachte Fabel, daß die Juden alljährlich einen Griechen als Opfer darbrächten und seine Eingeweide verzehrten, eine Fabel, die in der christlichen Folgezeit auf Andersgläubige ausgedehnt wurde, deren Blut nach ihrer Ermordung zu rituellen Zwecken gebraucht würde. Beschämend ist es, daß in der griechisch-römischen Welt diese Abgeschmacktheiten in einem kleineren Kreide geglaubt wurden als in der christlichen Welt der Vergangenheit und Gegenwart. Den fünften Punkt in den Ausführungen des Josephus bildet die Rechtfertigung der Ablehnung des Kaiserkultes, die von judenfeindlicher Seite als Mangel an Loyalität aufgefaßt und der Regierung auch bekannt gegeben wurde. Diesen Vorwurf widerlegt, Josephus mit dem Hinweis auf das im Tempel zu Jerusalem täglich für den Kaiser gebrachte Opfer. Philo berichtet sogar von Hekatomben, die bei besonderen Anlässen für den Kaiser geopfert wurden. Auch kam es der damaligen Apologetik zustatten, daß die ersten römischen Kaiser, Caligula ausgenommen, den Kaiserkult nicht direkt auftrugen, am allerwenigsten aber ihn von den Juden forderten, deren Gemeindewesen auch in religiöser Beziehung seit Cäsar unter gesetzlichem Schutze stand. Von weittragender Bedeutung ist die Besprechung des sechsten Punktes, der sozialen Absonderung der Juden, der Mamixie, die zu der schweren Anklage führte, daß dem Judentum der Menschenhaß anhafte, daß ihm die Humanität und Menschenliebe fehle. Das hellenistische Zeitalter mit seiner universell, fast weltbürgerlich eingestellten Anschauung konnte diese von jüdischen Gesetzen vorgeschriebene Absonderung der Juden von den Heiden in seiner tieferen Begründung nicht erfassen und machte dem Judentume, das ängstlich seine religiöse Sonderstellung zu wahren suchte und dieses schwierige Problem durch seinen bis ins kleinste Detail ausgearbeiten Partikularismus löste, aus dieser Amixie einen der schwersten Vorwürfe. Wenn auch das hellenistische Judentum eher den Charakter des Universalismus trug als das palästinensische, so wurde auch dort jede Berührung dessen, was mit Götzendienst zusammenhängt, vermieden und vom Standpunkte der levitischen Reinheit der Verkehr mit den Heiden, nur soweit es notwendig war, unterhalten. Apion übertreibt in ge-