B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 6 (6.1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 160 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Der fanatischeste, wirksamste und phantasievollste Wortführer des literarischen Antisemitismus in Alexandrien war der Grammatiker Apion, der sieh nicht nur mit Homer, sondern auch mit den Juden eingehend beschäftigte; bei ihm findet sich zum ersten Male im judenfeindliehen Schrifttume die Ritualenmordbeschuldigung. Er ging auch anläßlich des Mutigen Kampfes zwischen den Alexandrinern und Juden als Sprecher und Anführer der Oesandtschaft der ersteren nach Rom, um die Alexandriner vor Caligula zu rechtfertigen. Er war, wie Plinius berichtet, von einer überaus lächerlichen Eitelkeit. Er meinte, denjenigen die Unsterblichkeit zu verleihen, an die seine Schriften gerichtet seien. Seine aus der ganzen früheren antisemitischen Literatur entlehnten Angriffe auf die Juden dürften ihren Platz im dritten Buche seiner ägyptischen Geschichte gefunden haben, die verloren gegangen ist und von welcher sich nur durch Zitate des Josephus, Tatian und anderer Schriftsteller des späteren Altertums Überreste erhalten haben. Die Schrift des Josephus, die unter dem nicht vom Verfasser herrührenden Titel .,contra Apionem" berühmt geworden ist, ist ein umfassendes apologetisches Werk, das nicht nur die Angriffe Apions. sondern sämtliche Anschuldigungen behandelt, die gegen die Juden damals gerichtet worden sind. Ich folge den Ausführungen Schürers, der den Gedankengang der Schrift gegen Apion nach 8 Punkten disponiert. Zunächst beschäftigt sich Josephus mit der Behauptung, daß das jüdische Volk jungen Datums sei, weil die älteren griechischen Historiker seiner niemals Erwähnung getan hätten. Auf die Erörterung dieses Problems verwendet nun Josephus außerordentliche Mühe und sucht durch Heranziehung der ägyptischen, phönizisehen, chaldäischen und auch griechischen Geschichtsschreiber das hohe Alter des jüdischen Volkes und seiner Kultur zu beweisen. Es lag ihm an diesem Nachweise deshalb so viel, weil er den schwerwiegenden Vorwurf der historischen Bedeutungslosigkeit, die einem A'olke mit kurzer Geschichte anhaftet, und die damit zusammenhängende Anklage, fremde Kulturen entlehnt zu haben, für das jüdische Volk entkräften wollte. Hierauf widerlegt Josephus die vorwiegend von den alexandrinisehen Schriftstellern vorgebrachte Fabel, daß die Juden von aussätzigen Ägyptern abstammten und unter schimpflichen Umständen sich in Palästina ansässig gemacht hätten, und enthüllt die Abgeschmacktheit und Verlogenheit dieses albernen Märchens. Als dritter Punkt wird die Anklage des Apolonius Molon und des Apion behandelt, daß. die Juden an der menschlichen Kultur nicht mitgearbeitet hätten, daß sie die unfähigsten unter allen Barbaren und keinen Erfinder, keinen Weisen, keinen Künstler aufzuweisen hätten. Gleich Philo widerlegt Josephus diese Anklage durch eine eingehende Behandlung der mosaischen Gesetzgebung, die durch ihr hohes Alter und ihre geistige Überlegenheit eine Quelle der griechischen Philosophie geworden sei — eine Lieblingsbehauptung Philos — und eine Großtat auf dem Gebiete der Kultur bedeute. Den vierten Punkt bildet der Vorwurf der Gottlosigkeit der