Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 159

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9598139-9598306--0799-9598313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

159 Der alexandrinische Antisemitismus, der schon in der Zeit der Ptolemäer literarischen Ausdruck fand, erhält eine besondere Färbung durch die politische Stellung' der Juden zu dem den Alexandrinern verhaßten Rom. Dadurch kam es in Alexandria zu blutigen Kämpfen, zu grausamen Judenhetzen, welche, weil sie mehr den Charakter eines Bürgerkrieges trugen, nach der Auffassung mancher Historiker gar nichts mit dem Judenhasse in unserem Sinne zu tun hätten. Wer aber die reiche antisemitische Literatur berücksichtigt, die schon in der ptolemäisohen Zeit gerade in Alexandria mit teuflischer Liebe und abgrundtiefem Hasse gepflegt wurde, weil dort die Griechen früher als in anderen Städten auf Juden stießen, der wird kaum die Existenz eines Antisemitismus in Alexandrien und in der griechisch-römischen Welt überhaupt leugnen können. Ob man mit Schürer die Grundlage des Gefühles der antiken Welt gegen die Juden in der Verachtung erblickt, die bei Ammianus Marcellanus wegen der nicht seltenen Armseligkeit und Unreinlichkeit der Juden im Vorwurfe des „foetor Judaicus" gipfelte, ob man mit Fuchs Haß und Neid als die Triebfedern des Antisemitismus betrachtet, das Ergebnis ist das gleiche: die Spannung zwischen der Verachtung oder dem Hasse gegenüber, diesem Barbarenvolke und seinem unermüdlichen Geltungswillen ist auch hier wie sonst der Nährboden des Antisemitismus. Seine Echtheit ist überdies durch die hellenistisch-jüdische Literatur verbürgt. Man kann einen großen Teil dieser Literatur nur unter dem Gesichtspunkte der Apologetik verstehen, die es sich zur Aufgabe macht, die gegen die Juden erhobenen Vorwürfe zu widerlegen. Die Quelle für die Kenntnis dieser antisemitischen Literatur in Alexandria ist die Schrift des Josephus gegen Apion. An erster Stelle ist der ägyptische Priester Manetho zu nennen, dessen Werk über ägyptische Geschichte um 270—350 v. Chr. zur Zeit des Ptolemäus IL Philadelphus anzusetzen ist. Hier führt er das nicht nur in Ägypten verbreitete und geglaubte Märchen an, welches erzählt, daß der König Amenophis alle Aussätzigen Ägyptens, 80.000 an Zahl, in den Steinbrüchen östlich vom Nil als Arbeiter verwenden ließ. Auf ihre Bitte habe ihnen der König eine Stadt überlassen. Hierauf hätten sie sich gegen den König empört und einen Priester ans Heliopolis Osarsiph (-Moses) zu ihrem Führer gewählt. Dieser neue Priester habe sie gelehrt, keine Götter zu verehren und die heiligen Tiere zu schlachten. Mit Hilfe der Hyksos aus Jerusalem habe er Amenophis vom Throne gestürzt und nach Annahme des Namens Moses sich des Landes Ägypten bemächtigt, wo die Aussätzigen nach einer Herrschaft von 13 Jahren samt den Hykos von Amenophis endgültig aus Ägypten davongejagt wurden. Auf Mnaseas, der 200 v. Chr. lebte, geht das durch Tacitus popularisierte alberne Märchen von der Verehrung eines goldenen Eselskopfes im Tempel zu Jerusalem zurück.*) Apollonius Molon wirft den Juden Gottlosigkeit und Menschenhaß vor, nennt sie bald feige, bald fanatisch, sie seien die unfähigsten unter den Barbaren und hätten nichts für die Kultur geleistet. *) Tacitus führt als Grund dafür an, daß wilde Esel den Juden auf ihrem Zuge durch die Wüste die Wasserquellen verraten hätten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.