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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 157

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 157 (sequence 5)
Language
German
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157 erfolgreich aufgenommen hatte, die wirtschaftliche Begünstigung, die ein ihnen bis in die Seele verhaßter Stamm durch die Ptolemäer und später durch die römischen Kaiser erhalten hatte, steigerten den Judenhaß, dessen furchtbaren Nährboden die jüdische Solidarität oder, negativ ausgedrückt, die streng durchgeführte religiöse und soziale Scheidung von der heidnischen Bevölkerung ^bildete. Die ganze griechisch-römische Welt stand verständnislos einem Volke gegenüber, das dem überall sieghaft vordringenden Nivelliernngsprozcs.-e der hellenischen Kultur und der römischen Weltmonarchie trotzig widerstand und sich in seiner geschichtlichen Sonderstellung als religiöse Gruppe behauptete. Der Mehrheit der gebildeten heidnischen Welt galt der Jude deshalb als kulturunfähig, inferior, als „anosios", ein griechischer Ausdruck aus der Kaiserzeit, der das lateinische Wort impius übersetzt, ein Wort, das einen Menschen bezeichnet, der wissentlich gegen die Gottheit frevelt und als solcher, außerhalb des jus divinum stehend, der göttlichen Strafe verfällt.*) So nennt Cicero in seiner Rede für Flaccus, der wegen unberechtigter Konfiskation jüdischer Tempelgelder angeklagt wurde, die jüdische Religion eine ..barbara superstitio", gewiß ein Niederschlag der allgemeinen Meinung der gebildeten Welt der damaligen Zeit. Über die Fabeleien des Tacitus, dessen Quelle die antisemitische Literatur Alexandriens ist. wird noch im Nachfolgenden die Rede sein. Gewiß kam es auch in der griechisch-römischen Welt zu einem Assimilationsprozesse zwischen den Juden und ihrer Umgebung, doch ging dieser selten über die religiöse Schranke hinweg. Wenn sieh auch der alexandrinische Jude die Sprache und Bildung der Hellenen bis zur höchsten Vollendung aneignete — man denke an Philo — so war er doch ein unverdaulicher Fremdkörper in der heidnischen Welt, die seine verstockte Weigerung, am heidniscchen Kultus teilzunehmen, als einen sittlich-kulturellen Defekt brandmarkte. Die ganze jüdischapologetische Literatur Alexandriens ist von diesem Gefühle des Anders- und Besserseins erfüllt. So sagt Philo bedeutsam: „Die Juden sind als Priester und Propheten hineingestellt in den Zusammenhang des einheitlichen Menschengeschlecihtes, um in dessen Mitte eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Sie haben für die gesamte Menschheit zu beten und zu opfern." Wenn aber nicht nur Kaiser Claudius in seinem Edikte, sondern auch Philo seine Sttammesgenossen zur Toleranz gegenüber den heidnischen Kulten ermahnt, so kann daraus geschlossen werden, daß manche Juden in ihrer Stellungnahme gegen den Götzendienst zu weit gegangen sein mußten. Auch die im hellenistischen Zeitalter mit großem Eifer betriebene jüdische Propaganda, auf deren überraschenden Erfolg die ungeheure Ausbreitung der Diaspora zurückzuführen ist, scheint eine Verschärfung des Gegensatzes zwischen Juden und Heiden bewirkt zu haben. Wenn man berücksichtigt, daß in der Makkabäerzeit die jüdische Gemeinde im *) Die katholische Kirchensprache des 11. Jahrhunderts hat für den Juden die Bezeichnung „perfidus" geprägt, die einen Menschen bedeutet, der weder Treue noch Glauben verdient.

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