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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Die alexandrinischen Juden, die nach dem neuesten Funde keine Vollbürger waren, bildeten ein selbständiges Gemeinwesen, das große Aufgaben zu lösen hatte, wenn man bedenkt, daß die Juden nach den Angaben Philos 40 Prozent der Stadtbevölkerung betrugen. Denn die jüdische Gemeinde hatte nicht allein für den Kultus zu sorgen, sie hatte auch die staatsrechtlich anerkannte Befugnis der eigenen Vermögensverwaltung und der Rechtsprechung für die Mitglieder der Gemeinde. Diese Jurisdiktion, die nach jüdischem Rechte erfolgte, bezog sich auf die Zivilgerichtisbarkeit und, wenn auch nur in beschränktem Maße, auch auf Kriminalfälle. Diese Sonderstellung der Juden innerhalb eines griechischen Stadtwesens einerseits und anderseits ihr Bestreben, als Vollbürger zu gelten und politisch, sozial und wirtschaftlich eine ihren Fälligkeiten entsprechende Rolle zu spielen, führten zu Gegensätzen und Reibungen, die sich namentlich bei der Bevölkerung Alexandriens in einem fanatischen Judenhasse Luft machten. Schon die jüdisch-apologetische Sibylle aus der Zeit 140 v. Chr. weist'auf diesen Judenhaß hin: „Jedes Meer und jedes Land ist von dir erfüllt und jeder haßt dich wegen deiner Sitten." Auch Josephus bezeugt es, daß der alexandrinische Antisemitismus alten Datums sei. Alle seine Spielarten. Ekel, Verachtung. Neid, Haß und die aus diesen Elementen gebildeten Mischgefühle enthüllen sich im alexandrinischen -Judenhaß, der sich auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens, auf das religiöse, soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische erstreckte. Besonders in politischer Beziehung brach eine Todfeindschaft zwischen den nationalgesinnten Griechen und den ihrer nationalen Selbständigkeit verlustig gewordenen Juden aus. Während sich die Griechen nach dem Sturze der Ptolemäer gegen die Römerherrschaft mit allen Kräften sträubten und sich dieses Joches durch zahlreiche Aufstände erwehren wollten, standen die Juden im Lager der die Weltmonarchie begründenden Römer. Wenn Juden zu verschiedenen Epochen der Geschichte ihren Sympathien für die Begründung eines Weltreiches durch geniale Eroberer, wofern nicht ihre Sonderstellung angetastet wurde. Ausdruck gaben, so geschah es nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch aus der Erwägung heraus, daß übernationale Bestrebungen der Welt und somit auch den gequälten Juden den ersehnten Frieden und die ungehinderte Entwicklungsmöglichkeit gewähren können. Wenn nun auf politischem Gebiete die Feindschaft zwischen Hellenen und Juden tief begründet war, so erhält der alexandrinische Antisemitismus schon ein moderneres Gesicht, wenn, wie aus einem Papyrus aus dem Jahre 41 n. Chr. hervorgeht, ein alexandrinischer Großkaüfmann. namens Sarapion, in einem Briefe einem bedrängten Schuldner zuruft: ..Hüte dich vor den Juden!-4 In diesem Briefe kommt zum ersten Male in der judenfeindlichen Literatur der geschäftliche Antisemitismus zum Ausdrucke; denn die Griechen. Syrer und auch Römer hatten als geriebene Geldverleiher wirklich keine Ursache, vor den Juden mehr zu warnen als vor sich selbst. Der Konkurrenzneid der herrschenden Bevölkerung, der den Juden ihren Wohlstand mißgönnte, der wirtschaftliche Kampf, den ein verachtetes barbarisches Volk mit den handelstüchtigen Helleneri

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