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B'nai B'rith · 1925-06-01 · 6 (6.1925) · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
6 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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155 es jetzt. Die Pessach-Hagadiah hat dieser Kontinuität des Judenhasses und der Unvernichtbarkeit der Juden mit den schlichten ergreifenden Worten die feierliche Formel gegeben: „In jeder Generation erheben sie sich gegen uns, um uns zu vernichten und der Heilige, gelobt sei er, errettet uns aus ihren Händen." Aber nicht nur. um die Kontinuität des Judenhasses wieder einmal in das hellere Licht der Geschichte zu stellen, soll der alexandrinische Antisemitismus in seinen Hauptzügen behandelt werden, sondern auch deshalb, weil durch die Veröffentlichung eines bisher unbekannten Papyrustextes auf die Beziehungen zwischen Hellenen und Juden in Alexandria ein neues Licht fällt. Idris Bell, einer der Verwalter der Sammlung der Papyrustexte im British Museum hat durch seine Publikation: „Jews and Christians in Egypte. The Jewish Troubles in Alexandria and the Athanasian Controversy. Illustrated by Texts from Greek Papyri in the British Museum 1924" das Quellenmaterial für die Geschichte der Juden in Alexandrien um eine aufschlußreiche Urkunde vermehrt. Durch einen vier Seiten langen, in griechischer Sprache abgefaßten Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner, der vom 10. November 41 n. Chr. datiert ist, eine nach dem Originale, das der Statthalter in Alexandria. zur allgemeinen Kenntnisnahme aushängen ließ, schlecht angefertigte Abschrift, wird die Streitfrage, ob die Juden in Alexandrien Vollbürger waren oder nicht, im negativen Sinne entschieden. Die jüdische Diaspora in Ägypten, die wie die Papyrusfunde aus Elephantine beweisen, in das sechste Jahrhundert v. Chr. hinauf reicht, erreichte ihren kulturellen Höhepunkt in der Welthandelsötadt des Ostens, wo nach den Angaben des Josephus Alexander der Große Hellenen und Juden unter gleichen Rechten angesiedelt hatte; denn die 'Juden, die damals schon über die ganze Welt verbreitet waren, hatten sich durch wertvolle Dienste, namentlich auf seinem Zuge durch Ägypten, seinen Dank erworben und standen hoch in seiner Gunst. Erst aus der Zeit der Ptolemäer erfahren wir. daß die Juden in Alexandrien abgesondert in eigenen Bezirken wohnten, ,.damit sie ein reineres Leben führen könnten, indem sie sich weniger mit Fremden vermischten". Doch blieb es nicht bei dieser strengen Absonderung; denn nach Philo wohnten Juden in allen Teilen der Stadt und hatten auch in allen Quartieren Bethäuser; nur zwei Bezirke hatten überwiegend Juden zu Bewohnern und hießen deshalb „die jüdischen Bezirke". talmudischen Schrifttums von der sozialen Lage, der staatsrechtlichen Stellung-, den Steuern, der Sprache und namentlich den religiösen Verhältnissen der ägyptischen Juden in dieser Epoche abgerundete, methodisch durchgearbeitete, auf gründlichem Quellenstudium beruhende Bilder entwirft. Der erst nach dem Erscheinen des Buches von Fuchs bekannt gewordene Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner findet eine allgemein verständliche, wissenschaftlich hochstehende und dabei fesselnde Darstellung in dem Aufsatze des 'Prager Historikers TJniv.^Prof. Dr. A. Stein: „Parteikämpfe im hellenistischen Alexandrien", der im Aprilhefte 1925 der Zeitschrift „Preußische Jahrbücher" erschienen ist. Er gibt die historischen Voraussetzungen für das Verständnis des Briefes, bespricht den Inhalt des Briefes selbst und zeigt schließlich die Fülle der historischen Probleme, die der glückliche Fund aufrollt.

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