B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 5 (5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 143 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Schein" („ein Gulden Gold war 40 cts. wert, ein Gulden Schein, d. h. Papier, nur 24 cts.) In diesem Städtchen Biowitz, in dieser Umgebung und in der ganzen Entmutigung für ihn und sein Volk, das gezwungen war, unter solchen Bedingungen und unter solchen Beschränkungen zu existieren, lebte im Jahre 1840 Jonas Kraus. In dem nahen Städtchen Radnitz lebte zur selben Zeit Joachim Ehrlich mit seiner Frau und seinen Kindern. Ludmilla, eine von Joachims Töchtern, verdankte ihrem persönlichen Reiz eine große Zahl von Verehrern, denn sie war als das hübscheste Mädchen in der Gegend bekannt und bewundert. Unter diesen zahlreichen Verehrern war auch Jonas Kraus aus Biowitz. Sein männliches Auftreten und der Umstand, daß er aus einer Stadt kam, half ihm alle Rivalen ausstechen und nach der üblichen glücklichen Bräutigams zeit wurde er Ludmillas Gemahl. Nach der Hochzeit segelte das junge Paar auf das Meer des Glücks, indem sie eine Bäckerei eröffneten. Das Geschäft ging nicht gut. Sie verdienten kaum genug, um ihre Bedürfnisse und die der kleinen Familie zu decken, die sie im Laufe der Zeit bekamen. Da er nichts zurücklegen konnte und eine düstere Zukunft für sich und seine Lieben vor sich sah, entschloß sich Jonas, der von dem wundervollen Land jenseits des Meeres gehört und gelesen hatte, nach langen Erwägungen und mancherlei Besorgnissen dort drüben ein Heim für sich und seine Familie zu suchen und er unternahm die Fahrt nach Amerika. So gut erging es Jonas in Amerika, daß er nach zwei Jahren zu seiner Familie zurückkehrte und mitbrachte, was er sich durch seine Arbeit erspart hatte. Sein Vermögen bestand aus $ 400.— in Gold, die er der Sicherheit wegen auf seiner Rückreise in das Futter seiner Kleider eingenäht hatte. 400 $ waren nahezu 1700 Gulden Schein, ein Betrag, der nach den damaligen Anschauungen in Böhmen Jonas in die Klasse eines wohlhabenden Mannes versetzte. Das Sicherheitsgefühl, das dieser Besitz verlieh, und die Bande, welche an die Heimat fesseln, hielten Jonas in dem Lande seiner Geburt zurück und die geplante Übersiedelung seiner Familie nach Amerika wurde aufgegeben. Kurz nach seiner Rückkehr von Amerika übersiedelte Jonas Kraus mit seiner Familie nach Rokycan, einer Stadt von ungefähr 5000 Einwohnern. Dort kaufte er ein einstöckiges, steinernes Haus mit einem kleinen Laden und drei Wohnräumen. Hinter dem Hause war ein Stall, groß genug für zwei Kühe. In dem Hause standen Regale mit einem ansehnlichen Lager von Schnittwaren, die meistens auf Kredit gekauft wurden, und wenn auch Jonas Kraus zeitlebens keine großen irdischen Güter anhäufte, so war doch sein Wohlstand groß genug, daß er seiner Familie den seltenen und damals als Luxus betrachteten Genuß leisten konnte, täglich Fleisch zu Mittag aufzutischen. Drei Jahre nach seiner Rückkehr aus Amerika hatte er soviel zurückgelegt, daß er einige Äcker außerhalb von Rokycan kaufen konnte, auf denen man Erdäpfel und Weizen anbaute. Auch eine Kuh konnte dort weiden, so daß die Familie täglich frische Milch hatte. Aus dem Ehebunde des Jonas Kraus mit Ludmilla Ehrlich entstammten drei Söhne — Markus, Adolf und Albert. Adolf, der zweite Sohn, ist der Schreiber dieser Zeilen.