B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 4 (4.1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 115 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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115 wurde, mit einer Debatte, die vor 19 Jahrhunderten in Jerusalem zwischen den Hilleliten und Schammalten stattfand, worüber der Talmud berichtet. Damals lautete das Thema: „Wäre es für den Menschen besser gewesen, nicht erschaffen worden zu sein, oder ist es gut, daß er erschaffen worden ist?" Blau verfolgt dieses ewige Problem bis in die biblische Zeit und hebt jene bekannte Stelle im Psalm 8,6 hervor, wo auf die Frage, was der Mensch sei, geantwortet wird: „Etwas weniger als Gatt", also ein subdivines Wesen. Blau sucht nun das Problem nicht nur vom jüdischen Standpunkte, sondern auch von allgemeinphilosophischen Gesichtspunkten aus zu durchleuchten. In der echt jüdischen Erkenntnis, daß -solche Probleme nur praktisch, niemals akademisch gelöst werden können, endet die denkwürdige Diskussion der Hilleliten und Schammalten mit dem weisen Imperativ des Aktivismus: „Sieh auf dein Tun! Strebe! Glaube! Arbeite!" — Victor Rubin bringt ein Interview mit Isaacson in Chicago, der sich um die Verbreitung der großen Oper, der klassischen Musik und die Hebung des künstlerischen Geschmacks als Kaufmann und Schriftsteller große Verdienste erworben hat. — In einer feinsinnigen Studie behandelt Max Heller unter dem Stichworte „Die antisemitischen Zwillinge", die französischen Romanschriftsteller Jerome und Jean Tharaud, die in gemeinsamer Arbeit, wie Erckmann und Chatrian, Romane aus dem jüdischen Leben der letzten Jahre veröffentlichten, denen eine internationale Verbreitung beschieden war. Die antisemitische Tendenz ihrer Romane wird bloßgelegt und ihrer Arbeitsweise, die noch den foetor Judaicus des alten Ammianus Marcellinus verwendet, die vornehme Art des bayrischen Antisemitenführers, des Dr. Georg Escherich, des bekannten Begründers der Orgesch, in seinen Heften „Der Konimunismus in München" (München, 1921) gegenübergestellt. — Der bekannte Gelehrte Max L. M a r g o 1 i s, der gegenwärtig Gastprofessor an der amerikainschen Schule für Archäologie in Jerusalem ist, setzt seine lebensvolle Schilderung „Ein Jahr im heiligen Lande" fort. — Der auch in Prag bekannte Sekretär der Akademie für jüdische Wissenschaft in Berlin, Israel Auerbach, liefert eine lesenswerte, mit viel Sachkenntnis geschriebene Studie über das Leben und Wirken des großen Philosophen Hermann Cohen. — Daran schließt sich reicher Bilderschmuck mit Kommentar, die Fortsetzung der französischen Erzählung „Silbermann' von Jacques de Lacretelle und Bücherbesprechungen. — Der Briefkasten enthält eine Zuschrift an die Redaktion des B. B.-Magazine, die temperamentvolle Einwände dagegen erhebt, daß M. Lilien, der in einem galizischen Städtchen geborene Maler, trotz Abstammung und jüdischer Seele in einem früheren Hefte der Zeitschrift ein deutscher Maler genannt wurde. Die Redaktion begründet diese Bezeichnung damit, daß Lilien in München fünf Jahre studierte und sich seit dreißig Jahren ununterbrochen in Deutschland aufhält. — Das Hauptheft schließt mit der Witz ecke. — Im Supplemente wird über das Programm berichtet, das der amerikanische B. B.-Orden und die christliche Organisation der Christuskirchen in den Ver- Staaten für die Förderung und Verbreitung des Toleranzgedankens in engster Verbindung durchführen wollen. — David Y e 11 i n bringt einen kurzen Aufsatz über die Entwicklung des Ordens im Oriente. — Einige Tätigkeitsberichte verschiedener amerikanischer Logen zeigen, wie rege der Orden überall dort am Werke ist, wo es gilt, selbstlos praktische Arbeit im Diente der Menschheit und des Judentums zu verrichten. — Das unvermeidliche Kreuzworträtsel beschließt das inhaltsreiche Heft. oe. * B'nai B'rith-Mitteilungen für Österreich. XXV, 4 (März 1925). Br. Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter beginnt nach einem in der w. „Wahrheit" gehaltenen Vortrage mit einer biographischkritischen Würdigung des Lebens und Werkes Moritz Lazarus', dessen hundertster Geburtstag am 14. September 1924 gefeiert werden