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B'nai B'rith · 1925-04-01 · 4 (4.1925) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
4 (4.1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 105 (sequence 25)
Language
German
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105 sie in produktive Neutat um, erweitert Umfang und Inventar ihres kulturellen und sozialen Bereiches. Aber diese wachsende Vielfältigkeit würde die Person zu einem Mosaik machen und auseinanderfallen lassen, wenn nicht mit immer steigender Intensität die Zusammenfassung zur Einheit, die Einbettung der wachsenden Fülle in die Ganzheit möglich wäre.' Die oberste ethische Forderung ist nach W. Stern die Introzeption, die Einbeziehung von außerhalb des Ichs liegenden Weltwerten in den Selbstwert des Ichs, die Steigerung der Selbstwertfülle und wenn ich Ihnen noch die Formen der Introzeption nach W. Stern nenne, so werden Sie leicht die Beziehung zu unseren Ordensidealen finden. Die erste, unmittelbarste Form ist das Lieben, die zweite, objektivste Form das geisteswissenschaftliche Verstehen, die reinste, von anderen Verhaltungsweisen ablösbare, ist die ästhetische und die vierte, unbedingteste Form ist das Heiligen, die in der Religiosität die Absolutheit erreicht. Lieben und Verstehen, ästhetisches Genießen und Heiligen ist der Inhalt unserer Devise, die wir im Bruderkreise noch ergänzen müssen durch die spezielle Bruderliebe und Eintracht. Diese verstehen sich aber aus den vorausgegangenen ethischen Forderungen von selbst, und durch ihre Erfüllung werden wir dem Ziele nahekommen: ein Segen zu werden uns selbst. Wir sollen ein Segen werden dem Judentum. Unsere Aufgabe ist es, das Judentum zu erhalten, den geistigen und sittlichen Charakter der Juden zu heben und zu fördern. Historisch betrachtet ist die Gründung unseres Ordens in Amerika hauptsächlich wegen der zweiten erzieherisch-praktischen Aufgabe erfolgt, während die Verbreitung des Ordens auf dem Kontinente mehr der ersteren Aufgabe gewidmet war. Das Anwachsen des Ordens fällt oft mit Zeiten stärkeren Judenhasses zusammen, als Abwehr gegen die Angriffe, denen das Judentum ausgesetzt ist. Aber ebenso wie der Prozeß der Emanzipation .und der Assimilation in den Ländern Europas verschiedene Fortschritte gemacht hatte, war auch die Tendenz und Zusammensetzung der Logen und Distrikte verschieden. In dieser Periode vor dem Kriege war die Tätigkeit des Ordens eine ruhige, mehr charitativen und kulturelljüdischen Zwecken gewidmet. Mit dem Anwachsen des Zionismus und der jüdisch-nationalen Bewegung änderte sich dies wesentlich. Die ungeheueren Leiden der Ostjuden einerseits, die zur Auswanderung drängten, die Absperrung Amerikas andererseits, sowie der aus politischen Gründen erfolgte unerwartete Erfolg des Zionismus mit dem Friedensschluß brachte eine neue Situation, und die Diskussionen über Inhalt und Wert des Judentums sind um eine recht kräftige Note bereichert. Der Orden hat seiner Mission gemäß dem Zionismus als einer politischen Bewegung gegenüber absolute Neutralität eingenommen, andererseits durch Förderung des Palästina-Aufbaues den Logen das Beispiel gegeben, wie sie sich ohne Verletzung der Neutralität an den neuen, großen Problemen des Judentums fördernd beteiligen können. In diesem Sinne ist auch von unserer Großloge den Logen des Distriktes die Förderung des Keren Hajessod empfohlen worden. Auch die Nichtzionisten begleiten voll Bewunderung die Arbeit unserer

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