B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 4 (4.1925)
- Date
- 1925-04-01
- Page
- Seite 104 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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104 So kam es schon am 13. November 1922 zur Bildung eines vorbereitenden Komitees, dessen Leitung in den Händen der Brüder Expräsidenten Erben und Jerusalem lag, denen heute besonders zu danken ist. Das Gründungskomitee arbeitete unter der Leitung des Br. Großsekretär Dr. Wiesmeyer vom 12. März 1923 bis zum 23. Oktober 1923, von da ab, da Br. Großsekretär wegen Arbeitsüberbürdung zurücktrat, unter der Leitung des nunmehrigen Präsidenten. Zu den neuen Brüdern gewendet, fährt der Präsident fort: „In mehrmonatiger Arbeit sind wir einander nahegekommen und wenn Sie mich mit der ehrenvollen Aufgabe betraut haben, im Gründungsjahre unserer Loge das Amt des Präsidenten zu bekleiden, so sage ich Ihnen hiefür aufrichtigen Dank. Ich will das Vertrauen zu rechtfertigen suchen und da* Wort Kants mir zu Hilfe nehmen: .Du kannst, wenn du sollst', doch möchte ich es erweitern in dem Satze, dem der geistvolle Hamburger Philosoph William Stern die Fassung gab: ich will können, was ich soll.' Nur durch diesen Willen zum Können werden wir der Möglichkeit näher kommen, das zu können, was wir sollen. Auch von Ihnen erwarten wir diesen aufrichtigen Willen, und ich möchte als hoffnungsvolles Prognostikon für die neue Loge der Genugtuung darüber Ausdruck geben, daß eine Reihe hochbegabter Männer in unsere Reihe getreten sind, von denen wir für das Logenleben, für den Distrikt und den Orden neue Initiative und neuen Ansporn erhoffen dürfen. Ich wende mich in diesem feierlichen Momente an die Brüder der w. „Bohemia" und ..Praga". aus deren Reihen das Gründungskomitee hervorgegangen ist, sodaß wir durch diese innige Verbindung ein Band für immerdar erhalten haben, das wir treu bewahren wollen. Ich wende mich an die Brüder Präsidenten der beiden Prager Logen mit dem Versprechen, alles zu tun, daß das traditionelle freundschaftliche und brüderliche Verhältnis, das die beiden Logen verbindet, auch mit der neuen Loge enge und ungetrübt bestehen möge. Unser Orden hat die Devise ,Wohlwollen, Bruderliebe und Eintracht' und unser Rituale den Satz, der als Leitmotiv unseres Ordens heute feierlich erklingen möge: .Du sollst zum Segen werden dir selbst, dem Judentum und der Menschheit.' Während die Devise uns mehr allgemein ethische und vielleicht selbstverständliche Tugenden predigt, ist in dem Leitmotiv unseres Ordens viel mehr enthalten. Es ist die Heiligung unseres Ordens, die ihn hinaushebt über den Rahmen eines Brudervereines. Sie macht ihn zum Orden, gibt ihm einen festumrissenen. religiösen Hintergrund, den wir nicht entbehren können und wollen, wenn wir die Frage des religiösen Gefühles so auffa>scn. wie es der Zeit und der Wissenschaft entspricht. William Stern weist nach, daß weder das Individuum, noch die Zusammenfassung der Individuen in Völker und Menschheit einfache Wesen sind, sondern eine vielfältige Einheit, eine Unitas multiplex. Jede Entwicklung ist nach W. Stern zugleich mit einer Wertsteigerung verbunden, die darin besteht, daß die Unitas multiplex im Individuum, im Volk, in der Menschheit immer reiner in die Erscheinung tritt. ,Eine sich entfaltende Person', sagt Stern, ,nimmt neue Lebensinhalte auf, läßt sie nachwirken, mit anderen sich verknüpfen, setz!