Mannheim
Compact Memory

B'nai B'rith · 1925-04-01 · 4 (4.1925) · p. Seite 101

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
4 (4.1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 101 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9582244-9582244-9598139-9598232--0739-9598253
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

101 bestehenden Logen eine dritte zu gesellen. Allein war es nur die räumliche Enge, die uns veranlagte, eine dritte Loge zu gründen? Die räumliche Enge ist zu überwinden; viel mehr Bedeutung als die räumliche Enge hat aber der Umstand für uns gehabt, daß eine Loge nur dann arbeiten kann, wenn ihren Mitgliedern, ihren Brüdern, tatsächlich die Möglichkeit geboten wird, sich im Logenleben auszuwirken. Diese Möglichkeit ist nicht unbegrenzt; zti große Zahl hemmt den brüderlichen Zusammenschluß und unterbindet dadurch die Quelle der Arbeitsfreude, die Begeisterung. Die Prager Logen hatten die zulässigen Grenzen erreicht oder überschritten, und um neuen Männern die Möglichkeit zu bieten, als Brüder zu wirken, in Brüderlichkeit vereinigt unseren Idealen zuzustreben, sind wir. an die Gründung einer neuen Loge gegangen. Das war vielleicht die besondere Note, die den Initiatoren dieser Loge vorgeschwebt hat. Aber dieser besonderen Note haben Sie selbst Ihre eigene hinzugefügt, Sie haben aufs Neue bewiesen, daß es die Brüder sind, die die Loge formen, die bei aller Treue zum Ordensgedanken die Wege wählen, auf denen sie dem Ordensideale sich nähern wollen. Sie waren es, die den Namen „Humanitas" für Ihre Loge gewählt haben. Der Name ist Ihnen Programm und der Name soll Ihnen Programm sein. „Ilumanitas" bedeutet uns nicht allein Menschenliebe, im Sinne von Wohltätigkeit, von Mitleid, von Erbarmen, es bedeutet uns das Streben nach Menschlichkeit, nach Menschenverbrüderung, das seinen Endzweck darin erkennt, über den Gegensatz von Nation, Konfession und Klasse die Menschheit zu einem großen ganzen Bund zu verbinden. Wenn ich mir die Frage vorlege: ,Sind Sie berufen und besonders befähigt, diesem Programme nahezukommen?', dann antworte ich darauf mit einem entschiedenen ,Ja'. Ich schöpfe meinen Optimismus gerade aus der Zusammensetzung der Brüder der neuen Loge. Es wurde bereits von den beiden Brüdern Expräsidenten, die die Einführung vornahmen, direkt oder indirekt darauf hingewiesen, daß die Loge „Humanitas" in ihrer Zusammensetzung sich in manchem von den bestehenden Logen unterscheide. Sie unterscheidet sich vor allein dadurch, daß sie eine größere Zahl von Brüdern hat, die sich zur tschechischen Nation zählen, als dies bei anderen Logen der Fall ist. Ich frage mich: ,Sind gerade Sie bei Hochhaltung Ihres Nationalismus berufen, dem hohen Gedanken unseres Ordens zu dienen?' und ich antworte darauf mit ,ja', weil sich mir zwischen Judentum und Tschechentum eine Analogie aufdrängt. Seit Abrahams Zeiten ist es jüdische Mission, das Wort zu erfüllen, das Abraham zugerufen wurde:,Lech lecho mibeß owicho'. ,Gehe hinaus aus dem Hause Deines Vaters, gehe zwischen die Nationen, weheje berocho und werde zum Segen.' Diese Mission haben wir Juden und werden sie behalten, wenn auch die kühnsten palästinensischen Hoffnungen, deren Erfüllung ich vom ganzen Herzen wünsche, sich verwirklichen werden. Immer werden Juden in der Diaspora sein, immer werden sie dem Menschheitsgedanken dienen, um Gegensätze zwischen Nationen zu überbrücken und die Nationen zu versöhnen. Was ist uns hier Nation? Eine Gemeinschaft, bestimmt, Kultur und Wohlfahrt zu mehren; Nation ist uns Liebe, Liebe zu eigenem Volkstum, nie aber Haß gegen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.