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B'nai B'rith · 1925-04-01 · 4 (4.1925) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
4 (4.1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 100 (sequence 20)
Language
German
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ber, ob die Brüder und die Loge ihre Pflichten erfüllen, haben nicht sie und nicht die Loge zu entscheiden, darüber entscheidet die ihnen vorgesetzte Ordens-Behörde, darüber entscheidet die Großloge, und falls diese es fordert, ist der Freibrief ohne Widerspruch zurückzustellen. Daraus geht klar hervor, daß der Freibrief in erster Linie Bindung bedeutet, Bindung an das Ganze, Bindung an die übernommenen Pflichten, und nur die Erfüllung dieser Pflichten beläßt die Loge im Besitze des Freibriefes und nur so lange die Loge ihre Pflichten erfüllt, bleibt sie Loge. Ist diese Bindung eine Fessel? ,Nein!' Eine Fessel ist nur das, was uns aufgezwungen wird, oder Verpflichtungen, in die wir hineingeboren werden. Verpflichtungen hingegen, die wir als reife Männer nach freiem Entschlüsse übernommen haben, sind niemals eine Fessel, sie sind der Ausdruck freier Erkenntnis und Selbstdisziplin, und deshalb bedeutet der Freibrief trotz Bindung eine magna Charta libertatum, er gibt der Loge das Recht, als Loge des ganzen Ordens B'nai B'rith zu wirken, als ein Teil dieses Ganzen unter seinem Namen zu handeln. Dieses Recht ist zugleich Pflicht. Meine Brüder! Welche sind* die Pflichten, die Sie übernehmen? Arbeit zu welchem Ziele ist es, die Avir von Ihnen fordern? Das Ziel ist klar gezeigt durch den ersten Satz unseres Rituales, der da lautet: ,Unser Orden hat sich die hohe Aufgabe gestellt, Israeliten zu vereinigeu zur Förderung der höchsten und idealsten Interessen der Menschheit.' Also durch Juden und Judentum für die Menschheit zu wirken, das ist das Ziel, das Ihnen gestellt wurde und dem nachzugehen Sie sich verpflichtet haben. Dieses Ziel ist unwandelbar und fest, doch die Wege, die zur Erreichung dieses Zieles führen, sind verschieden und wandelbar; verschieden nach Zeit, verschieden nach Ort und verschieden nach der Beschaffenheit der Weggenossen, die den Weg zu beschreiten sich entschlossen haben. Der Umstand, daß unsere Idee, trotz ihrer Unwandelbarkeit kern Dogma darstellt, daß sie anpassungsfähig ist, verspricht unserem Orden ewiges Leben, denn das. was dogmatisch ist. ist bestimmt zu erstarren, und das Erstarrte zu sterben. Nur was imstande ist, sich ewig zu erneuern, nur das ist auch für ewiges Leben bestimmt. Und das ist es auch, was das ewige Leben unseres Ordensgedankens verbürgt, daß bei genauer Einhaltung des gesteckten gemeinschaftlichen Endzieles die freie Betätigung der Loge nicht unmöglich wird, daß der Geist Form annimmt durch den Körper, der ihn trägt, und dieser wieder geformt wird vom Geiste: für die Loge als lebendiges Gebilde gelten dieselben Gesetze, wie für alles Leben; Körper und Geist smd ein untrennbares Ganzes, Loge und Brüder sind eine Einheit, die Loge formt die Brüder und die Brüder formen die Loge. Meine Brüder! Welches ist der besondere Weg, auf dem Sie unse ren Ordensidealen sich zu nähern, gesonnen sind? Der Weg wurde Ihnen gewiesen durch die Umstände, die zur Gründung dieser Loge geführt haben. Dieser Raum wurde zu eng, um alle jene zu fassen, die sich mit Begeisterung und freiwillig in unsere Reihen gemeldet haben, und um ihnen die Möglichkeit zu schaffen, mit uns zu arbeiten, sind wir daran gegangen, hier in Prag, das für unseren Orden nicht Neuland bedeutet, sondern alte, ruhmvolle Arbeitsstätte ist. zu den zwei

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