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B'nai B'rith · 1925-04-01 · 4 (4.1925) · p. Seite 99

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Journal
B'nai B'rith
Volume
4 (1925)
Issue
4 (4.1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 99 (sequence 19)
Language
German
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Wir haben uns überzeugt, daß die Luftschiffahrt die Hindernisse der Natur überwindet, wir haben die Radio-Telephonie erlebt, die den Menschen des Ostens erlaubt zu hören, was im Westen gesprochen wird und schließlich hat man es nicht als Utopie angesehen, daß in Jerusalem eine jüdische Universität gegründet wurde, die in den nächsten Tagen eröffnet werden wird? Und so ist es nicht als ausgeschlossen zu betrachten, daß wir jenes Ziel erreichen, wo alle Menschen Brüder und alle Völker verbunden sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, alle Menschen in abstracto zu umarmen. Wohl ist es unsere Aufgabe, unsere Kräfte der Allgemeinheit zu widmen und der Menschheit den Weg zu diesem Ziele zu bahnen, aber in erster Reihe gehört unsere Liebe und Zuneigung unseren Brüdern. Wenn wir den Weg zu ihren Herzen finden, so werden wir auch den Weg finden zum Herzen der anderen, denn warum sollte der Funke der Liebe, der von uns ausgeht, nicht auch Liebe erwecken im Herzen unserer Mitmenschen? Gewiß ist das ein längerer und mühevoller Weg, aber wenn wir selbst das Ziel auch nicht mehr erleben sollten, so können wir doch davon träumen, daß die künftigen Generationen es erleben werden." Vor Installierung der neuen Loge entbot der s. w. Großpräsident den beiden, durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Vizegroßpräsidenten Dr. J. Schanzer und Leopold Jerusalem seinen herzlichsten Gruß, und sprach unter lebhaftem Beifall aller Brüder den Wunsch aus, daß sie bald in voller Gesundheit in unsere Reihen zurückkehren mögen. Er ersucht hierauf den Br. Großsekretär Dr. Emil Wiesmeyer, den Freibrief der neuen Loge vorzulesen. Die Verlesung wurde durch festliche Pauken und Fanfaren, einer Komposition des Br. Konrad Wallerstein, eingeleitet. D i e Installierung der neuen Beamten nahm Br. Expr. Dr. Heinrich Rosenbaum vor, der darauf verwieß, daß die Qualifikation als Bruder ausschlaggebend sei für das Verhältnis zu Loge und Bruder. Nachdem die Installierung der neuen Beamten ritualgemäß beendet war, ergriff der s. w. Großpräsident das Wort: „Eine ungewöhnlich stattliche Zahl neuer Brüder" sagt er, „ist in unseren Orden aufgenommen. Die neuen Beamten *sind in ihre Ämter eingeführt und mir obliegt es nun, Ihnen, Br. Präsident, den Freibrief der Loge zu übergeben. In diesem feierlichen Momente dürfte sich Ihnen und uns die Frage aufdrängen: ,Was ist der Freibrief? Bringt er Freiheit oder bedingt er Gehorsam? Ist er eine magna Charta libertatum, oder ist er eine Bindung?' Die wenigen Symbole, die in unserem Rituale enthalten sind, sind von tiefgründiger Bedeutung, und es ist kein Zufall, daß unsere Konstitution vorschreibt, daß beim Te>- minwechsel der Delegat der Großloge dem neugewählten Präsidenten den Freibrief übermittelt und daß dieser als Mann von Ehre und Ben B'rith sein Wort dafür verpfändet, den Freibrief in treue Obhut zu nehmen und im Falle er von ihm gefordert werden sollte, ihn jenem zu übergeben, den die Großloge hierzu bestimmen sollte. In dieser bedingten Verleihung jedes Freibriefes liegt die Bindung. Der Besitz des Freibriefes ist immer wieder gebunden an die Erfüllung jener Pflichten, die die Brüder in feierlicher Stunde übernommen haben, und darü-

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