B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (3.1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Sie» darf in ihre Reihen aufnehmen, wen sie will, und ablehnen, wer ihr nicht zusagt. Nur in kleinem, selbstgewählem Kreise kann die eigentliche Logenarbeit geleistet werden. Damit steht und fällt das ganze Prinzip der Loge. Frau Dr. Eschelbacher! Ihr Name ist ein Programm. Sie stehen zu hoch, als daß man Ihnen andere als nur die idealsten Beweggründe nachsagen könnte, wenn Sie diese neue Loge gründen. Sie sind trotz ihrer weißen Haare jung genug, etwas Neues zu beginnen. Geben Sie sich und Ihren Schwestern, geben Sie uns und dem Orden die neue Loge der Bnoth Brith. Und wenn sie selbst mißlänge — was ich nie und nimmer glaube —, auch der Versuch wäre ein Ruhmesblatt in Ihrem Leben und in der Geschichte des Ordens. Rudolf L e s z y n s k y. Auf diesen Brief übermittelt nun Frau Dr. Eschelbacher folgende Antwort: Berlin, den 30. XII. 1924. Sehr geehrter Herr Dr. Leszynsky! Gestatten Sie mir einige Worte, der Erwiderung: Ich weiß und kenne Ihre Gesinnung zu gut, um zu fühlen, daß nur die edelsten Beweggründe es sind, die Sie zur Äußerung über den Punkt Frauenfrage veranlassen. Ich danke Ihnen für das, was, auf die Einrichtung der Schwesternschaft übertragen, uns lehrreich und im Streben nach Höherem, nach größerer Entwicklung, förderlich sein kann. Ihren Vorschlag der Gründung einer Bnoth Brith müssen wir jedoch vorerst noch zurückweisen. Für uns Frauen ist unsere Stellung im Orden nicht mehr problematisch. Aus dem historisch Gewordenen derselben, aus der nun schon fast zwei Menschenalter hindurch geübten und gepflegten Gemeinsamkeitsarbeit, die unsere Schwesternschaft mit Liebe und Hingebung geleistet hat und fortwirkend leistet, schöpfen wilden Mut zum weiteren Ausbau, aus den Resultaten unserer Mitwirkung die Überzeugung der Notwendigkeit derselben. Gerufen haben uns die Einsichten klarblickender, zeitverstehender, den jüdischen Idealen, die sich in der Ordensarbeit erneuern und beleben, mit Hingebung dienender Brüder. Allen voran unser unvergeßlicher Bruder Maretzki! Wegweiser war er uns, wegweisend für unsere Anerkennung auch den Brüdern seiner Zeit. Gesucht und willkommen waren wir Frauen damals. Wir waren die Vollstreckerinnen des kultürfördernden Notwendigkeitswillens der Brüder. — Zu den direkten Arbeiten treten, dem Umfang der gewachsenen Logen entsprechend, die Bestrebungen nach innerer und äußerer Erziehung unserer Schwestern. Hierzu liefern uns die geeigneten Elemente die allerorten geförderten Vereinigungen der Schwestern und das Band, das sie alle bindet, der Verband der Frauenvereinigungen der U.O.B.B.-Logen. Wir dürfen dankbaren Herzens von ihnen sagen: sie erfüllen ihren Zweck. Wer einen Einblick tun kann in den heiligen Ernst, mit dem sich die Vorsitzenden zu jeder Sitzung vorbereiten, um die Schwestern vorwärts zu führen, wer von den zweifelnden Brüdern wissen könnte, wie die Gemeinschaftlichkeit der Arbeitsinteressen bildet, der würde gewiß nicht mehr so widerstrebend der Frauenarbeit in den Logen gegenüberstehen. Niemals, auf keinem Gebiet, gelingt es, alles zu erfassen! In dem Streben nach dem Hohen liegt an und für sich schon Segen und Lohn! Seelische Errungenschaften und Fortschritte sind langsamer in ihren Auswirkungen, doch erkennen wir mit Dank das Vorwärtskommen unserer Schwestern. Und weil wir es für verdienstvoller halten, zuerst der größeren Menge derselben führend und leitend zu sein, weil wir wissen, daß Recht und Gesetz auch in