B'nai B'rith
- Journal
- B'nai B'rith
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 3 (3.1925)
- Date
- 1925-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Rechnen Sie nicht zu fest darauf, daß Sie ihn erhalten! Ich wenigstens zweifle daran, obwohl es dem Generalkomitee höllisch schwer werden wird, abzulehnen, wenn die führenden jüdischen Frauen Berlins, Namen von Klang, die es mit den Namen der besten Brüder aufnehmen, ihr Recht vom Orden fordern. Aber Sie haben ja im schlimmsten Falle Zeit, und jedes Jahr wiederholen Sie den Antrag, bis die Frucht reif ist. Und inzwischen — arbeiten Sie! Sollen Sie zusammenkommen, um wieder einen neuen Verein zu gründen? Haben wir nicht genug und übergenug davon? Ich wäre der letzte, der eine Frauentage nur um des schönen Prinzipes der Gleichberechtigung wegen forderte, wenn sie nicht nötig, bitternötig wäre. Darf ich Ihnen Ihr Programm in ein paar Strichen zeichnen? Sie sollen einen Kreis sozial und jüdisch arbeitender Frauen zusammenführen und dort Berichte über Ihre Tätigkeit in Ihren verschiedenen Arbeitsgebieten geben, Erfahrungen austauschen, Anregungen empfangen. Wie es augenblicklich ist, arbeiten viele für sich, nebeneinander. Erst wenn man die Erfahrungen des einzelnen für die anderen nutzbar macht, hat die Gesamtheit etwas davon. So wird also die eine von den praktischen Fällen erzählen, die ihr in der Krankenpflege vorgekommen sind, eine andere von Jugendfürvsorge berichten und so fort. Und wenn Sie nun außer diesen bereits Arbeitenden andere heranziehen, wenn ich so sagen darf: Erziehungsmaterial, junge Mädchen und Frauen, die zunächst nur den guten Willen mitbringen, im Geiste jüdisch-sozialer Ethik praktisch tätig zu sein, und nun hören, war Sie, die Führerinnen, leisten, dann wird Interesse und Liebe erweckt, dann haben Sie das, was ich eine Loge nenne, und was es bisher trotz all der vielen jüdischen Frauenvereine mir bisher nicht zu geben scheint. Nicht das ist die Aufgabe der Loge: Vorträge halten zu lassen, — sie schaden zwar nichts, aber sie nützen auch wenig. Auch das Sammeln von Geldern für gute Zwecke ist nicht unser Ziel, von der Geselligkeit ganz zu schweigen. Die Loge ist da. um Persönlichkeiten für unsere Ideale heranzubilden, und um solche jüdische Frauenpersönlichkeiten, wie wir sie brauchen, systematisch zu schaffen, brauchen wir die Loge Bnoth Brith, der Töchter des Bundes. Gewiß wächst der Baum auch im Walde aus dem Samen, der zufällig in fruchtbares Erdreich fällt. Aber der Mensch erfand die Baumschule und die Forstwirtschaft. Gewiß gibt es überall jüdische Frauen, die jüdisch wirken. Es mutet fast wie ein Wunder an, daß sie aus dem Nichts emportauchen und sich und ihre Person aus innerem Triebe ihrem Ideale widmen. Wir aber sollten aus dem Zufall die Gesetzmäßigkeit entwickeln, wir sollten eine Schule gründen und diese Schule sollte die neue Loge sein. Daß die Männerlogen selbst nicht so sind, weiß ich wohl. Aber Sie brauchten ja nicht deren Fehler mitzumachen, sondern könnten aus ihnen lernen, wie man es nicht macht. Sorgen Sie dafür, daß es eine Ehre ist. wenn man in diese Frauenloge aufgenommen wird; es sollte wie ein Orden sein, den man trägt, der Orden, in den man eintritt. Nicht Quantität, sondern Qualität! Auch in bezug auf die Häufigkeit der Sitzungen! Und nun zu dem Schwierigsten! Was werden die bestehenden Frauenvereinigungen dazu sagen? Wird doch niemals etwas Neues geschaffen, ohne daß es Kompetenzstreitigkeiten gibt, ohne daß das Alte sagt: Ich bin schon da und mache es ebenso gut. Ich will nicht irgendwelche Kritik üben, weder an dem Frauenverein der Berliner Logen, noch an den Schwesternvereinigungen der einzelnen Logen, deren Verdienste mir bekannt sind. Die neue Loge soll weiter in ihnen arbeiten, weiter Geld sammeln, Wohltätigkeit üben, Geselligkeit pflegen — und dort, aber auch anderswo die Auswahl treffen für die Kandidatinnen der neuen Loge. Aber gerade diese Auswahl, auf die es ankommt, können die Schwesternvereinigungen nicht treffen, ohne sonst die Männerlogen zu sprengen. Die Loge der Bnoth Brith ist frei, unabhängig von irgend einer der Männerlogen.